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Lage
Provinz Chimborazo, Tal im Anden zwischen 3000 und 4200 m Höhe
Mitglieder
3500 Produzenten
Produzenten
Kleinbauern, die jeweils zwischen 0,5 und 1 Hektar Land bebauen. Sie kultivieren Kartoffeln, Bohnen, Weizen, Gerste, Hafer und Quinoa
Produkt
Quinoa des Urtyps"Valle"
Ernte
zwischen Juli und August
Ecuador: Landdruck, Abwanderung in die Städte und indianische Identität
Die Provinz Chimborazo mit der Hauptstadt Riobamba ist die Region Ecuadors, in der der größte Anteil indianischer Menschen lebt. Es ist zugleich die ländlichste und ärmste Region des Landes. Über 80% der ländlichen Bevölkerung sind indianische Puruhaes, die sich ihre Sprache Quechua und ihre kulturelle Identität bewahrt haben: Hierzu zählen die traditionelle Kleidung in bunten Farben, die kollektive Verwaltung der Berggebiete, starker sozialer Zusammenhalt sowie gemeinschaftliche Organisationen etc.
Die indianischen Puruhaes im Hochland von Chimborazo besitzen nur begrenzte Ackerflächen. In der Regel bebaut eine Familie weniger als einen Hektar Land.
Durch die indianischen Bewegungen der 90er Jahren haben die Gemeinschaften ehemaliges Hacienda- Land erlangen können, welches während der Agrarreform der 60er Jahre nicht verteilt wurde. Trotzdem verfügen die vielen Gemeinschaften in Chimborazo nicht über genügend Land und Wasser zur Bewässerung ihrer Felder. Da die bergige, oft erodierte Landschaft nur geringe Platzkapazitäten bietet, ist die Bevölkerungsdichte ist sehr hoch.
So bleibt den Bauernfamilien seit drei Jahrzehnten schon keine andere Möglichkeit, als vorübergehend in die Städte Quito oder Guayaquil zu migrieren, um dort Arbeit in der informellen Wirtschaft, Bau, Kleinhandel, etc. zu finden. Vor allem die Männer, ob jung oder alt sehen sich zur dieser Überlebensstrategie gezwungen. Eine andere Möglichkeit, Einkommen zu erwirtschaften, finden sie auf den Plantagen im Amazonasgebiet oder der Pazifikküste. Ohne dieses zusätzliche monetäre Einkommen neben der landwirtschaftlichen Produktion könnte die Familie nicht weiter in der Gemeinschaft leben bleiben.
In den ländlichen Regionen gibt es kaum wirtschaftliche Perspektiven für die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Erwirtschaftung finanzieller Mittel. Eine der wenigen Alternativen ist der Anbau und die Vermarktung von Quinoa. Das Korn ist an die schwierigen klimatischen Bedingungen angepasst: Es ist resistent gegen Trockenheit sowie das raue, kühle Klima der hohen Anden. Es ist die zentrale Herausforderung für die Produzentenorganisation COPROBICH, ihre Produktion optimal zu verwerten. So hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, die Produktqualität zu Verbesserung und die Produkte zu einem bestmöglichen Preis und vorzugsweise zu den Bedingungen des Fairen Handels abzusetzen. Auf diese Weise konnte das Quinoa zu einer treibenden Kraft im Kampf gegen die Armut in Chimborazo werden.
Die Aufbau der Branche mit Hilfe des Radios ERPE
Im Jahr 1995 wurde ein Radiosender ins Leben gerufen, welcher von Riobamba aus die gesamte ländliche Region abdeckt und zumeist auf Quechua sendet. Er entstand aus einer Initiative, welche durch ERPE unterstützt wurde. ERPE ist eine von Bischof Proaño „dem Bischof der Indianer“ geschaffene Organisation, die in den 70er Jahren entschlossen die Gemeinschaften der Puruhaes gegen die Großgrundbesitzer verteidigte. Auch ist sie Verfechter einer Agrarreform zur Umverteilung des Landes zu Gunsten der Puruhae-Indianer. ERPE ist in der Chimborazo-Region der Radiosender, der von vielen Bauern auf dem Feld gehört wird.
ERPE versucht, nicht nur seine Bildung- und Informationsaufgabe zu erfüllen, sondern wirtschaftliche Eigeninitiative der Indianer zu stärken. Die auf dem regionalen und traditionellen Wissen basierende Dynamik soll die Lebensbedingungen verbessern.
In Anbetracht des zunehmenden Interesse städtischer Konsumenten an Quinoa und der Erfahrungen aus Bolivien, wo das Quinoa seit langem ein wichtiges Grundnahrungsmittel ist, strebt ERPE die Verbesserung der lokalen Produktion und Verarbeitung vor Ort an.
Im Jahr 1996 erhielt ERPE von einer kanadischen Partnerorganisation finanzielle Mittel, um die Umstellung abzuschließen. Ein Verarbeitungsbetrieb für das Quinoa mit einer Reihe von Geräten, welche in Ecuador hergestellt wurden, entstand. Hierzu gehören eine Graupemühle, eine Maschine zum Waschen des Quinoa, die die dünne Saponin-Schicht um das Korn maschinell entfernt. Sie sortiert das Quinoa und entfernt Verunreinigungen. Nach ersten Erfahrungen auf dem lokalen Markt wurde im Jahr 1997 eine Vereinbarung mit einem US-Importeur von Bio-Produkten geschlossen. ERPE sendete einen Radio-Aufruf, mit der Vermarktung von Quinoa zu beginnen. Über zweihundert Familien folgten dem Ruf, so dass über 27 Tonnen Quinoa gesammelt und exportiert werden konnten.
Im Jahr 2002 regte ERPE, die Produzenten dazu an, sich eigenständig zu organisieren. Heute haben sich mehr als 3.000 Kleinproduzenten zu der Organisation COPROBICH (Corporación de Productores Bio Taita Chimborazo) zusammengeschlossen.
Die Resonanz der Bauern von Chimborazo auf dieses Projekt ist seit den ersten Jahren sehr groß. Die Entwicklungsperspektiven für die Landwirtschaft in der Region sind niedrig. Die Initiative, welche die regionalen Ressourcen und die lokale Produktion unterstützt, ist eine große Hoffnung für die Bauern und zeigt bemerkenswerte Erfolge. Im Jahr 2002 konnte COPROBICH insgesamt 650 Tonnen Quinoa einsammeln. Da der Exportmarkt jedoch noch klein ist, wird ein großer Teil der Produktion auf dem lokalen Markt zu einem wenig gewinnbringenden Preis abgesetzt.
Da der Markt nicht wuchs, blieb die Produktion für den Export in den nächsten Jahren weiterhin auf dem niedrigen Niveau von ca. 200 Tonnen. 2004 erlangte COPROBICH die FLO-Zertifizierung für den Fairen Handel. Allgemein wächst der europäische Fairhandel-Markt, insbesondere die Nachfrage nach Quinoa steigt. Die Gewinnung neuer Käufer des Fairen Handels in Frankreich und England hat die Quinoa-Herstellung in Chimborazo wieder angeregt.
Die Bauernfamilien in Chimborazo kultivieren eine Vielzahl von Nahrungsmitteln. Auf den Höhen von 2 800 m - 3.500 m findet sich an der Spitze der Rotation immer der Kartoffelanbau. Die Pflanze beansprucht die Bodenfruchtbarkeit am meisten. Sie dient als Grundnahrungsmittel und als Geldquelle. Später im Turnus folgt der Anbau von Bohnen, Quinoa, Gerste, Hafer, und Weizen. Auch die anderen Knollengewächse wie Oca oder Melloco finden ihren Platz in dem Kreislauf. Sie dienen ausschließlich dem lokalen Verbrauch. Die Viehzucht wird oft Geflügel und Meerschweinchen beschränkt. In den Höhenlagen zwischen 2 500 m und 2 800 m ermöglicht das Klima den Anbau von Mais, Getreide und Gemüse und Luzerne. Über 3 500 m Höhe findet man die Paramo: Die Hochlagen mit den holzigen Gewächsen und dem Moos nehmen das Regenwasser wie ein Schwamm auf und dienen als Wasserspeicher für die gesamte Region.
Die Genossenschaft COPROBICH wurde im Jahr 2002 gegründet und erlangte im Jahr 2005 die FLO-Zertifizierung. Heute vereint die Genossenschaft mehr als 3000 Quinoa-Produzenten in der Provinz Chimborazo in Ecuador. ETHIQUABLE kooperiert mit dieser Organisation im Bereich des Quinoa-Exports. Das gesamte Projekt von der Herstellung bis zur Verpackung des Quinoa wird vor Ort von COPROBICH begleitet.
Dieser neue Wirtschaftszweig wirkt sich wie folgt auf die wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklung der Region aus:
Stabiles Einkommen
Der Fairhandels-Markt bietet den Erzeugern einen höheren Preis für ihre Produkte. Wenn man die Kosten für die Sammlung, die Weiterverarbeitung und den Transport bis zum Hafen des Quinoa und auch einen Gewinn für die Erzeugerorganisation COPROBICH addiert, liegt der fair gehandelte Exportpreis von Quinoa bei 1615 USD pro Tonne. Zuzüglich der Entwicklungsprämie des Fairen Handels liegt er bei 85 USD pro Quintal (ca. 45 kg). Schätzungsweise lag der Export-Preis für Bio-Quinoa auf dem konventionellen Markt zwischen 1400 bis 1450 USD / Tonne. Somit war der Fairhandelspreis etwa 20% höher.
Lokale Weiterverarbeitung bringt zusätzliche Einnahmen und schafft Arbeitsplätze in der Region:
Die Kleinoroduzentenorganisation COPROBICH hat mit der Unterstützung des Radiosenders ERPE hat das Unternehmen SUMAK LIFE zur Weiterverarbeitung von Quinoa geschaffen. Der dadurch ermöglichte Erwerb professioneller Mittel ermöglicht es, eine hohe Produktqualität für den Export und somit auch die größte Aufwertung der bäuerlichen Produktion zu erzielen.
Die Abpackung der Quinoa von ETHIQUABLE vor Ort stärkt die Kompetenzen des lokalen Unternehmens SUMAK LIFE. Dies schafft Arbeitsplätze in ländlichen Regionen und erhöhrt den Anteil der Produzenten an der Wertschöpfung des Quinoa. In diesem Fall liegt der Export-Preis bei 2 050 USD pro Tonne: ein Wert, von dem die Genossenschaft profitiert.
Reduzierung der Landflucht
Die stabile und erhöhte Quinoa-Preis bietet den Bauern eine bessere Vergütung ihrer landwirtschaftlichen Arbeit. Auf diese Weise können die anstrengenden und schwierigen Nebentätigkeiten in den Städten begrenzt werden.
Streben nach der Anerkennung der Kultur und Identität der Puruhaes
Die Genossenschaft COPROBICH entstand durch den Willen von Männern und Frauen, ihre Lebensbedingungen zu bessern. Neben ihren wirtschaftlichen Zielen engagiert sich COPROBICH im Bereich der traditionellen Kleidung und der Sprache Quechua. Ziel ist es, die Gemeinschaften zu befähigen, ihr Land und die natürlichen Ressourcen (Wasser, Land,...) selbst zu verwalten. Durch den Entwicklungsprozess, der von dem gemeinschaftlichen Radiosender ERPE organisiert wurde, ist die Initiative zu einem Vorbild für alle Landwirte in der Provinz Chimborazo geworden. Wenn die Länder des Nordens weiterhin eine große Nachfrage für Quinoa zeigen, können die indianischen Bauern ihre Identität als Indianer und Bauern stärken, indem sie ein qualitativ hochwertiges und lokal verarbeitetes Produkt anbieten.
Manuelle Landwirtschaft und ein respektvoller Umgang mit der Umwelt
Der Anbau von Quinoa ist eine traditionelle Familientätigkeit. In den steilen Hängen müssen alle Arbeiten per Hand durchgeführt werden. Einen Traktor gibt es nicht. Um die Fruchtbarkeit des Bodens zu erhalten, zu verwenden die Bauern Stroh und Naturdünger für die Bewirtschaftung ihrer Felder. Ein COPROBICH Mitglied verpflichtet sich, ein ausgewogenes Produktionssystem mit einer Vielfalt von Nutzpflanzen und Tieren zu schaffen. Die Entwicklungsprämie hat dabei geholfen; besonders im Jahr 2006 wurde in die Ausbildung der Landwirte investiert. Der Kampf gegen die Erosion und die Herstellung von Kompost, die Förderung kleiner Meerschweinchenzuchten oder die Mischkulturen stellen die hauptsächlichen Arbeitsbereiche der Experten.
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ETHIQUABLE (Frankreich) |