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Lage
Bolovènes-Ebene bei Pakse im Süden von Laos
Mitglieder
90 Produzentenfamilien
Produzenten
Gärten zwischen 1,5 und 2 ha Größe von denen eine Hälfte mit Teesträuchern bepflanzt ist, im restlichen Teil wird eine Vielzahl von Früchten und Gemüsearten kultiviert
Ernte
bis zu 3 mal jährlich
FLO Zertifizierung
2006
Ein weiter Weg zu edlem Tee
Eine Geschichte erzählt, dass die Teelieferanten in der Epoche des chinesischen Kaiserreiches, danach eiferten, dem Kaiser besondere Teesorten zu liefern. Deshalb schickten sie jeden Frühling Gesandte in die tiefen Wälder im Norden von Laos, um die Knospen von wilden Teesträuchern zu suchen. Der Tee hatte eine wunderschöne Silberfarbe, ein feines Aroma und wurde Tee „mit weißen Spitzen“ genannt. Sein Genuss war der kaiserlichen Familie vorenthalten und von hohem Ansehen am chinesischen Hof.
Als während der Kolonialzeit in den 20er Jahren der junge französische Landwirt A. Marseille Kulturen suchte, die in der wenig entwickelten Region in Indochina angebaut werden konnten, stieß er auf diese alte Geschichte. Also machte sich auf die Suche nach den hoch gepriesenen, ursprünglichen Teesträuchern und schon nach einigen Tagen Erkundung wurde er fündig. Er pflanzte die Saat der wilden Büsche experimentell in der Provinz Xiengkhouang im Norden von Laos ein. Zu dieser Zeit beherrschten Großbritannien und die Niederlanden den internationalen Tee-Markt. Mit Blick auf die Ergebnisse seines Experimentes versuchte Marseille, seine Vorgesetzten von der Förderung einer Tee-Kultur, die dem Französischen Markt zu mehr Unabhängigkeit verhelfen könnte, zu überzeugen.
Der Krieg um den Tee war damit noch nicht beendet, denn 1931 fürchteten die englisch-niederländischen Firmen, ihre Märkte zu verlieren. Sie übten einen solch großen Druck auf die koloniale Verwaltung aus, dass diese ihnen schließlich die Tee-Bewirtschaftung gegen einen 10 Jahre wehrenden Präferenztarif auf die Ölprodukte ihrer Firmen, überließ. Dennoch pflanze der junge französische Forscher einige Shan-Teesträucher auf seine Forschungsstation in die Bolovène-Ebene im Süden von Laos. Danach wurde er nach Vietnam verbannt. Mit der Zeit verbreiteten sich die Teesträucher der ehemaligen Forschungsstation in etwa zehn Orten auf der Strecke von Paksé nach Pakson. Diese pflegten die Kulturen und verbreiteten sie in der Region, wo sie in Verbindung mit Früchten und Kaffeekulturen angebaut wurden. In den 90er Jahren jedoch wurden sie beinahe ausgerottet, da ihr Anbau die von internationalen Experten und Regierungsseite geförderte Kaffeewirtschaft behinderte.
Indem man den Familien der Bolovène-Ebene im Rahmen des Fairhandels-Netzwerkes lohnende Absatzmöglichkeiten für ihren Tee bot, schuf der Unterstützerverein zur bäuerlichen Entwicklung (ASDSP) eine alternative Einkommensmöglichkeit in der Region. Auf diese Weise sind die Bauern heute nicht mehr ausschließlich vom Kaffeeanbau abhängig. Dies bedeutet eine große Verbesserung, da der Kaffeepreis seit langer Zeit starken Schwankungen unterlegen ist.

Das Aufstreben der zivilen Gesellschaft
Ende der 70er Jahre wurde ein Modell einer auf genossenschaftlicher Arbeit basierenden, kollektiven Landwirtschaft, eingeführt. Doch bereits ein Jahr später wurde das Unterfangen wieder eingestellt, da die traditionelle laotische Gesellschaft die neuen Regelungen nicht übernahm. Als Erbe dieser Zeit ist das Ackerland in Laos immer noch in Besitz des Staates.
Seit 1986 begann das Land, seine Wirtschaft den Märkten zu öffnen. Derzeit jedoch gibt es ein politisches Ein-Parteien-System. Die laotische Zivilgesellschaft befindet sich in einer Phase der Veränderung. Es existiert kein rechtlicher Rahmen um Vereine in Laos anzuerkennen. Die Teeproduzenten organisieren sich in der Vereinigung bäuerlicher Gemeinschaften in Südlaos (Groupement de communautés paysannes du Sud-Laos=GCPSL) und in ihrem Äquivalent im Norden (GCPNL). Diese Vereinigungen sind die ersten unabhängigen Bauern-Organisationen, die auf nationaler Ebene registriert sind.
Garantie eines Kredit-Systems durch den ETHIQUABLE-Verkauf
Mit Blick auf die Konkurrenz durch agrar-industrielle Gruppen, müssen die Bauern sich zusammenschließen. Auf diese Weise erhalten die Mitglieder Zugang zu Diensten (wie zum Beispiel Vorfinanzierung der Ernten und Bildung), die ihnen als Einzelproduzenten verwehrt worden wären. Außerdem werden sie bei der Aufwertung und Verbesserung ihrer Produkte (zum Beispiel durch Weiterverarbeitungstechniken und Verpackung) unterstützt.Um dies zu erreichen wurde ein finanzielles System geschaffen: Der Fonds Coopératif (Kooperativenfonds) und das französische Finanzierungsunternehmen SIDI (Internationale Solidarität für Entwicklung und Investitionen) ermöglichen Kredite in der Höhe von 100 000€. Jedes durch die Bauern-Gemeinschaften Projekt wird durch die Genossenschaft LFP (Lao Farmers’ Products) oder BAPRO begonnene (Batieng Products) begleitet.
Nach Gewährung des Projekts verleihen diese beiden Organisationen die nötigen Finanzmittel an den Kooperativenfonds und bitten ETHIQUABLE, die Rückzahlung des Kredites durch die Erlöse des Verkaufs der fair gehandelten Produkte zu garantieren.

Die 90 Familien von GCPSL schließen sich BAPRO (Batieng product), einer dem ASDSP unterstehenden Genossenschaft zur Weiterverarbeitung und zum Export von Tee, an. Auf diese Weise können sie ihre traditionelle Produktionstechniken basierend auf einer Mischwirtschaft von Anbaukulturen beibehalten. Sie verfügen über 80ha Teepflanzen, jede Familie bebaut zwischen 1,5 und 2 Hektar, von denen etwa die Hälfte zur Teeproduktion dient. Die restliche Fläche ist mit Fruchtbäumen, mit Kaffeesträuchern, Gemüse und Kräutern bepflanzt.
Sofort nach der Ernte werden die grünen Blätter zur Fabrik von BAPRO transportiert. Diese verarbeitet sie sowohl in Schwarzen als auch in Grünen Tee. Hier wird das ursprüngliche Wissen über die Teeproduktion und besonders die Geheimnisse der Herstellung des Shan-Tees von Generation zu Generation weitergegeben. Für den Schwarzen Tee, zum Beispiel, werden die Blätter gerollt und dann in Körben und mit Bananenblättern bedenkt fermentiert. BAPRO bietet den Produzenten nicht nur Beratungen und Weiterbildungen, sondern auch gleichermaßen die nötige Vorfinanzierung der Produktionszyklen. Seit vier Jahren wird der Tee in mehreren Dörfern abgepackt und zu den Bedingungen des Fairen Handels nach Europa exportiert, wo er unter anderem durch ETHIQUABLE vertrieben wird.
Der Faire Handel bedeutet eine wirkliche Wende für die Produzenten, die ihren Tee zuvor an Händler auf dem lokalen Markt oder in Thailand verkauften .
Das zusätzliche Einkommen aus dem Fairen Handel erlaubt ihnen, nun in ihr Land zu investieren, welches zuvor aus Mangel an Mitteln wenig gepflegt wurde.

Für diese Produzenten aus Süd-Laos bietet der Faire Handel eine Möglichkeit, sich selbstständig zu entwickeln. So soll vermieden werden, dass sich einer der größten Schätze der Teegeschichte durch Behörden übergangen und durch Konsumenten missachtet in Vergessenheit gerät.
Die Vereinigung bäuerlicher Gemeinschaften in Südlaos und dein Partner im Norden sind die ersten unabhängigen anerkannten Bauernorganisationen. Der Faire Handel begünstigt die Produzentenorganisationen und fördert so die zivile Bauerngemeinschaft und bildet so einen Gegengewicht zu multinationalen Konzernen.
Die Vereinigung bäuerlicher Gemeinschaften in Südlaos ist zwar noch eine junge Organisation, jedoch wurde bereits mit der Umstellung auf biologische landwirtschaftliche Erzeugung begonnen. Dies wird dadurch begünstigt, dass die Produzenten ihr Land seit jeher auf traditionelle Weise bewirtschaften. In der Tat wurde der Anbau von Shan im Jahr 2007 mit der Bio-Zertifizierung versehen. Auf der anderen Seite arbeiten die Produzenten an Projekten zur Diversifikation der Kulturen, wie zum Beispiel der Vermarktung von Hibiskus-Blume, Rosen und Jasmin und der Herstellung von Gewürzen wie Kardamon und Ingwer.
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ETHIQUABLE (Frankreich) |