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JAMBI KIWA, Kräutertee aus Ecuador

Kräutertee Zitronengras-Orangenblätter-Kamille Kamillentee
 

Ecuador KarteLage
Provinz Chimborazo, in den ecuadorianischen Anden
Mitglieder
Mehr als 400 Frauen
Produktion
Gärten, die neben den Häusern liegen, von einer Größe zwischen 50 bis 100 m2, auf denen eine Vielzahl von Pflanzen angebaut wird.
Ernte
ganzjährig
FLO Zertifizierung
2004

 

 

Hintergrund

In Ecuador ist die andinische und indianische Provinz Chimborazo eine arme, von der Dynamik in anderen Teilen des Landes abgeschnittene Region. Die Bevölkerung von Chimborazo setzt sich zusammen aus indianischen Puruha. Sie konnten ihre ursprüngliche Sprache Quichua und die Identität ihrer Ethnie bis heute bewahren.

Mit der Ankunft der Spanier wurden die Indianer zunehmend ihres Bodens beraubt, denn die neuen Herrscher nahmen große Teile des Landes in Besitz und errichteten ein System von Großgrundbesitz In Chimborazo wurde die Urbevölkerung zu Leibeigenschaft degradiert. Das System der Großgrundbewirtschaftung dauerte bis zu der Agrarreform der siebziger Jahre, also bis in das 20ste Jahrhundert. Die Indianer lebten in einer Art Schuldknechtschaft und wurden von der mestizischen Gesellschaft ausgegrenzt: Sie wurden bei der Wahl der Sitzplätze im Bus diskriminiert und ihren Kindern blieb Schulbildung verwehrt. Das Engagement des Bischofs von Riobamba Monseigneur Proaño an der Seite der Benachteiligten in den sechziger Jahren bewirkte den Beginn einer Emanzipationsbewegung in der Region. Es bildeten sich Organisationen innerhalb der indianischen Gemeinschaften, welche die Anerkennung ihrer Rechte, insbesondere bezüglich des Landbesitzes, forderten. Jedoch erst in den 90er Jahren gelang es den Indianern, einen Teil ihres Landes zurückzugewinnen. Um dies zu erreichen, wurden zahlreiche Haciendas besetzt. Es gab es diverse gewalttätige gesellschaftliche Bewegungen, die das Land buchstäblich lähmten.

Abwanderung

In Chimborazo ist der Druck auf die Böden extrem groß. Die Familien verfügen über nicht mehr als ein oder zwei Hektar Land. In Anbetracht der schwierigen ökologischen und klimatischen Bedingungen in diesem Teil der Anden reicht dies nicht, um ihre Selbstversorgung zu gewährleisten. Die Männer und die Jugendlichen sind daher gezwungen, außerhalb der Region Arbeit zu suchen. Sie brechen meist nach dem Pflügen auf und kehren zur Zeit der Ernte in das Dorf zurück. In ihrer Abwesenheit kümmern sich die Frauen um die Bewirtschaftung der Felder, die Meerschweinchen und die Schafe, welche ständige Pflege bedürfen. Obwohl ihre Selbstversorgung immer weniger von der Landwirtschaft abhängt, sind die Indianerfamilien dennoch sehr darauf bedacht, weiterhin auf ihrem heimatlichen Grund und Boden zu leben. Trotz der schwierigen Umstände versuchen sie mit allen Mitteln, im Dorf neue wirtschaftliche Aktivitäten zu etablieren um so die unumgängliche zeitweise Abwanderung zu vermindern. Das Projekt des Frauen-Vereins "Jambi Kiwa" verfolgt genau dieses Ziel, durch eine traditionelle Aktivität in den Dörfern Finanzmittel zu erwirtschaften.

 

Geschichte und Organisation der Genossenschaft

Jambi Kiwa LogoJambi Kiwa:
bedeutet auf Quechua
Pflegende Pflanzen"

Monseigneur Proaños Kampf an de Seite der Indianer hat vielen Organisationen die Weg gebahnt, für die Anerkennung der Indianerrechte und gegen alle Formen der Rassentrennung zu kämpfen. Das christliche Netzwerk ländlicher Frauen von Chimborazo gründete 1999 den Produzentenverein für Heilkräuter (Jambi Kiwa). In diesem Rahmen kultivieren über 400 Frauen Heilpflanzen auf traditionelle Weise.

 

Ethiquable Entwicklungsprojekt
Um die Erfolge des Fairen Handels nicht zu zerstreuen, hat sich ETHIQUABLE entschieden, die Projekte von 8 Partner-Organisationen zu verstärken. Die auf 10 Jahre ausgedehnten Entwicklungsprojekte werden alle zwei Jahre evaluiert. Ihre Finanzierung wird durch einen Investmentmechanismus in der Höhe von 10% des Unternehmensergebnisses gesichert.

 

Produktionssystem

Frau bei der Ernte der Heilkräuter

Die Gärten «der Einfachen» lagen schon immer in der Umgebung der Bauernhäuser.

Diese einfachen Gärten haben zahlreiche Vorteile wie:
• die Nähe zu den Wohnstätten erlaubt es, die Gärten dank kleiner Vorratsbehälter an den Häusern mit reinem Wasser
zu versorgen.
• Wartungsarbeiten und die Ernte brauchen nicht viele Arbeitskräfte. Dies ist für zersplitterte Familien von Vorteil.
• Bei wöchentlicher Ernte ist das Einkommen stätig und bedeutet eine verlässliche Finanzgrundlage für das tägliche Leben.

Das Anpflanzen von Heilpflanzen wie auch das Sammeln wilder Pflanzen in der Natur sind traditionell Tätigkeiten, die nur den Frauen vorbehalten sind. Sie tragen das wichtige Erbe des ursprünglichen Wissens von Generation zu Generation. Auch gibt es in dieser Region eine reiche Heilkräuterkultur, welche exzellente Ergebnisse erzielt.

Durch altüberlieferte Erfahrungsschätze hat die Genossenschaft Jambi Kiwa ihre Produktion weiterentwickelt. Zu Beginn legten die Frauen ihre Kräuterarten zusammen, um so die "Horchata" zu erhalten. Diese Mischungen sind seit mehreren Jahrsehnten als Heilpflanzen bekannt und werden heute von der ecuadorianischen Stadtbevölkerung gelobt. Durch den Erfolg auf den lokalen Markt gestärkt hat sich die Vereinigung entschieden, ihre Produktion auszuweiten und aufzuwerten.

 

TerrassenanbauDie Heilpflanzenkulturen wurden perfektioniert. Die Frauen haben mit der Organisation und Bewirtschaftung eines Gartens in von 50 bis 100m2 Größe begonnen, die jede in der Nähe ihres Hauses besitzt. Die Pflanzenarten, welche hier auf praktische Weise verbunden werden hier in Beeten oder Terrassen angebaut. Einige Sorten sind in Europa sehr bekannt (Minze, Melisse, Baldrian), jedoch ein großer Teil der Pflanzen sind ausschließlich andinische Gewächse.
Ohne den Zusatz chemischer Stoffe. Der Boden wird durch den Kompost angereichert, der durch den Mist von Geflügel und Vieh entsteht. Die Bodenwürmer zersetzen den Kompost in wertvollen Humus

Der Verwaltungsbezirk Riobamba stellt ihnen ein Gebäude für die Trocknung und Zerkleinerung der Tee-Blätter zu Verfügung. Die Vereinigung geht somit den Schritt von einem manuellen Produktionsmodus zu einer kleinen industriellen Kräutertee-Fabrik

Im Jahr 2004 erreichte man eine Produktion von 20 Tonnen getrockneter Blätter. Eine neue Transformationseinheit wurde bereits gebildet. Dank der Ausstattung ist sie in der Lage, die Blätter effizienter zu trocknen und moderner zu zerkleinern. Mit der FAIRTRADE-Zertifizierung erlangte die Genossenschaft die Möglichkeit, ihre Produkte zu exportieren.

 

Erfolge des Fairen Handels: Wirtschaftliche Erfolge

Dank des Verkaufs der Heilpflanzen haben die Familien ein monatlichen Einkommen von durchschnittlich 50$. Dieses stärkt die Wirtschaftslage der Haushalte in einem Land, in welchem der Mindestlohn bei 100$, liegt. Das ist ungefähr so viel, wie ein Ehemann oder ein Sohn, der in der Stadt als Maurer zu arbeitet, heimbringen kann. Darüberhinaus bedeutet die Möglichkeit, vor Ort einen zusätzlichen Wert zu erzielen (ungefähr 100% im Verhältnis zum Verkaufspreis bei getrockneten Pflanzen), einen großen Triumpf für die Organisation und die Region. 15 Menschen finden in dem Trocknungs- und Verarbeitungsbetrieb eine Arbeit. In der Region gibt es kaum andere Bauernorganisationen, die den Transformationsprozess und die Vermarktung wie Jambi Kiwi selbst steuern.

 

Erfolge des Fairen Handels: Soziale Erfolge

Der Export über Fairhandels-Netzwerke ermöglicht es den Bauern eine bessere Stellung in Handelsbeziehungen: Verhandlungsmacht und eine mit der Zeit verbesserte Liquiditätslage sind zwei neue Erfolge für die indianischen Familien aus Chimborazo. Außerdem konnten dank der Einkünfte aus diesen Aktivitäten die Abwanderung vermindert und Familien das Beibehalten ihres Lebensstils auf ihren Böden ermöglicht werden. Auf diese Weise hat eine indianische Gruppe, welche einst von Landbesitz ausgeschlossen war, durch Weiterbildung und technische Unterstützung ein neues Produktionsystem entwickelt. Dies wertet auf der einen Seite das bäuerliche Know-How auf und positioniert sie auf der anderen Seite als Export-Sektor, was einst nur Großfamilien oder dem Großkapitalbesitzern vorbehalten war. Die Möglichkeit der Bauern aus Chimborazo, ihre Produkte zu exportieren, ist nicht nur beispiellos, sondern trotzt auch dem in der öffentlichen Meinung verbreiteten Bild der Landwirtschaft als uneffektiv und altmodisch.

 

Erfolge des Fairen Handels : Ökologische Erfolge

Schema zur Bio-Produktion

Der Anbau von Aroma- und Heilpflanzen entspricht den kulturellen und sozialen Streben. Durch die Erhaltung alter Weisheiten können natürliche Arzneimittel solch ländlichen Gegenden zugänglich gemacht, wo das Gesundheitssystem kaum existiert.

Die Genossenschaft Jambi Kiwi verbreitet praktische Anleitungen unter den Produzenten. Ein ganzes Kapitel ist dem biologischen Landbau gewidmet. Hier findet man Tipps bezüglich der Einhaltung eines Rotationsprinzips, die Aussaat ergänzender Kulturen, die natürliche Fruchtbarkeit und die Erhaltung der Böden oder auch Agrarforstsysteme.

Der Anbau ist Bio-zertifiziert.

Ein Schema aus der Broschüre « La magia de las plantas ( « Die Magie der Pflanzen »), welche von Jambi Kiwa herausgegeben wurde

 

Bibliographische Quellen:

 

 

ETHIQUABLE (Frankreich)
www.ethiquable.com

 
 
 
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