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CEPICAFE : Vollrohrzucker aus Peru

sucre du 
Pérou Ethiquable

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Peru KarteLage
Provinz Piura, Nordperu

Mitglieder
Insgesamt 2.500 Produzenten, 350 davon sind direkt in die Produktion des Vollrohrzuckers eingebunden

Produzenten
Kleinbauern mit wenig Grundbesitz (0,5 bis 2 ha), die eine abwechslungsreiche Anbauweise betreiben: Kaffee, Mais, Maniok, Bohnen, Kochbanane, Obst, Rohrzucker...

Rohrzucker-ernte
Juni bis Januar

 

Hintergrund

Die Sierra de Piura liegt an der Äquatorgrenze im Norden Perus und befindet sich an den Ausläufern der Anden. Sie überragt die weite Küstenebene. Obwohl die Gebirgsregion von Äckern in Hanglage und meist wenig fruchtbarem Boden geprägt ist, weist sie eine hohe Bevölkerungsdichte auf. Es handelt sich um eine wirtschaftlich benachteiligte Region, die als weniger produktiv als die Küstenebene angesehen wird. Aus diesem Grund wird sie von der Politik häufig vergessen. Die Sierra de Piura ist eine isolierte Region, deren Infrastruktur, Schulen und Gesundheitssystem vergleichsweise rückständig sind. Seit mehreren Jahrzehnten führt die Armut der dort ansässigen Landwirte zu einer folgenschweren Abwanderungsbewegung vom Land in die großen Städte und in die noch nicht erschlossenen Amazonasgebiete.

CEPICAFE, die Organisation der Kaffeeproduzenten, vereinigt mehr als 2500 Produzentenfamilien - sogenannte „Minifundistas“ - deren Besitz eine Größe von 0,5 bis 2 ha misst. Ihre Anbausysteme sind sehr verschieden. Hauptsächlich wird Kaffee angebaut, um Einkünfte für Geldanlagen zu erwirtschaften. Jedoch werden immer auch andere Pflanzen zur Lebensmittelherstellung kultiviert, beispielsweise Mais, Maniok, Bohnen, Kochbananen und verschiedene Obstsorten. Wenn es die Größe ihres Grundbesitzes zulässt und ein ausreichendes Einkommen vorhanden ist, halten die Bauern oft auch einige Rinder. Durch den Verkauf von Milch und Käse wird das Familieneinkommen aufgebessert. Wenn der Grundbesitz dafür zu gering ist, müssen die Männer und Frauen als Tagelöhner auf anderen Plantagen arbeiten oder wandern außerhalb der Erntesaison für mehrere Wochen in die Städte ab, um Geld dazuzuverdienen.

Seit mehr als zehn Jahren arbeitet die Genossenschaft daran, die Vermarktungsqualität und die Kommunikation im Sektor „Fairer Handel“ zu verbessern. Mit dem Ziel, die Abhängigkeit der Bauern vom ausschließlichen Kaffeeanbau zu reduzieren, hat CEPICAFE Absatzmöglichkeiten für deren andere Produkte in der Region ausfindig gemacht. Die Verwertung des Zuckerrohrs zur Herstellung von Vollrohrzucker ist ein gutes Beispiel für die Bewältigung dieser Herausforderung.

Die Abhängigkeit vom Kaffee verringern

In Peru ist der Zuckerrohranbau seit jeher in den Händen der großen Haciendas, die auf den von Bewässerungssystemen durchzogenen Ebenen an der Pazifikküste angesiedelt sind. Nach der Agrarreform in den 50er Jahren und der Einrichtung von Produktionsgenossenschaften hat sich der Zuckerrohranbau gehalten und stellt nach wie vor ein wichtiges Element in der Landwirtschaft Perus dar. Jedoch lässt sich der Zuckerrohranbau in der Sierra de Piura nicht mit der ertragreicheren Anbauweise in den Ebenen vergleichen. In dieser Andenregion dient der Zuckerrohranbau hauptsächlich zur Herstellung von „chankaça“, quaderförmigen Stücken von Melasse aus Rohzucker, und zur Destillation von Alkohol für den lokalen Vertrieb. Jeder der Kleinbauern verfügt hier über ein kleines Stück Land, auf dem verschiedene, rustikale Zuckerrohrsorten angebaut werden, die an die jeweilige Gebirgslage angepasst sind.

 

 

Geschichte und Organisation der Genossenschaft

Eine bäuerliche Organisation in den Anden unter sozialer Kontrolle der Dorfgemeinschaften

Die Funktionsweise von CEPICAFE beruht auf den Basisvereinigungen, die in die traditionellen Strukturen der Dorfgemeinschaften integriert sind. Eine Dorfgemeinschaft umfasst etwa 20 – 40 Familien. Jede Vereinigung ist selbst für die Anlieferung und Qualitätskontrolle des Kaffees zuständig oder regelt die gesamte Verarbeitung des Zuckerrohrs (8 Gruppen besitzen die dazu nötige Infrastruktur). Sie führen ein autonomes Vereinswesen und besitzen eigenen Grund und Boden. Die Vereinigung hat die Möglichkeit, eine Abgabe auf den Verkauf von Kaffee und Zucker festzulegen, um so die eigenen Aktivitäten zu finanzieren (Wartung der Maschinen, neue Investitionen, Reisekostenübernahme zur Teilnahme an Vollversammlungen etc.).
In der Regel leitet der Verwaltungsrat von CEPICAFE die Organisation, jedoch liegt die Entscheidungsgewalt bei wichtigen Fragen stets in den Vereinigungen. Letztendlich bilden die einflussreichen Mechanismen der sozialen Kontrolle seitens der Dorfgemeinschaften den demokratischen Motor von CEPICAFE.

 

 

Anbau und Produktion

RohrzuckerBegonnen hat die Tätigkeit der Genossenschaft mit der Verbesserung der Kultivierung und Verarbeitung des Zuckerrohrs. Die Neuerung bestand darin, etwa zehn kleine handwerkliche Verarbeitungsstätten aufzubauen, die sich in den Tälern um Montéro, Jililí und Sicchez verteilen. In diesen Stätten wird Panela hergestellt. Dabei handelt es sich um Vollrohrzucker in Pulverform, welche sich durch die natürlichen Vorgänge bei der Entsaftung des Zuckerrohrsaftes ergibt. Der Vollrohrzucker, der somit nicht raffiniert wird, fällt durch seine schöne hellbraune Färbung auf, durch seine feine Textur und das dezente Aroma von Vanille und Süßholz. Durch das nicht-industrielle Verfahren können sämtliche wichtigen Nährwerte des Zuckerrohrs erhalten werden. Besonders wichtig sind die im Vollrohrzucker enthaltenen Mengen an Magnesium, Phosphor und Eisen. Die Verbesserung der Produktionsverfahren hat die Entstehung eines neuen Produkts ermöglicht, das eine ganz andere Qualität als das traditionelle „chankaça“ aufweist. Es wird von den europäischen Verbrauchern sehr für seinen hohen Nährwert geschätzt. Andererseits ist es bei den in den Städten lebenden Peruanern sehr beliebt, da sie so eine alte Tradition wiederentdecken konnten. Neben dem Vertrieb über das Netzwerk des Fairen Handels verkauft CEPICAFE Panela auch in den örtlichen Lebensmittelgeschäften.

Panela: handwerkliches Know-how

Der besondere Geschmack von Panela aus der Provinz Piura beruht auf den vielfältigen Eigenschaften des Zuckerrohrs, die sich je nach Anbaugebiet unterscheiden können und gut an die Gebirgslage angepasst sind. Die Qualität hängt auch vom richtigen Reifegrad zum Zeitpunkt der Ernte ab.

1/ Die Bauern ernten – anders als in den Ebenen – nicht die gesamte Anbaufläche ab, sondern wählen nur das bereits reife Zuckerrohr aus. Dadurch ist die Versorgung mit Zuckerrohr über das ganze Jahr hinweg gewährleistet.

2/ Jede Verarbeitungsstätte nimmt das geerntete Zuckerrohr von etwa 30 Familien entgegen, deren kleine Anbauflächen sich in der Umgebung befinden. Das Rohr wird auf Eselrücken zur Verarbeitungsstätte transportiert.

3/ In einer Mühle, deren Motor von zwei schweren Metallzylindern angetrieben wird, wird nun der Saft aus dem Zuckerrohr gepresst. Diese moderne Ausstattung ersetzt inzwischen die traditionelle Holzmühle, die in einem mühsamen Arbeitsvorgang von zwei Ochsen angetrieben wurde und zudem weniger effizient war.

4/ Die Rückstände des gepressten Zuckerrohrs, die sogenannte Bagasse, werden zum Trocknen in der Sonne ausgelegt und später als Brennstoff verwendet, um die Kessel zu heizen. Somit wird der vormals verwendete Brennstoff Holz eingespart, wodurch wiederum die Abholzung der Wälder verringert werden kann.

5/ Nachdem der Zuckerrohrsaft durch den Klärbehälter geflossen ist und mehrmals gefiltert wurde, ist er gereinigt und fast frei von Fasern und anderen Verunreinigungen.

Verarbeitung von Rohrzucker6/ Anschließend wird er sukzessive in verschiedene, erhitzte Stahlkessel gegeben. Das Verkochen dauert drei Stunden lang, wobei die Temperatur beständig erhöht wird. So verdampft der Zuckerrohrsaft nach und nach und wird konzentriert. Die Zugabe von Pflanzenasche verringert den Säuregehalt der Zubereitung und fördert die Trennung der festen Bestandteile von den restlichen Fasern. Diese werden mithilfe eines großen Schaumlöffels während der Kochzeit immer wieder sorgfältig abgeschöpft. Wenn der Kochvorgang beendet ist, hat die Zubereitung eine zähflüssige Konsistenz angenommen. Zum Schluss ist die Temperatur mit 125°C relativ niedrig. So können alle Zuckeraromen erhalten werden.

7/ Wenn die Masse eine bestimmte Konsistenz erreicht hat, welche die Mitarbeiter anhand ihrer langen Erfahrung erkennen, wird sie in Behältnisse gefüllt und von Hand mit Spachteln umgerührt. So wird das restliche Wasser innerhalb weniger Augenblicke zum Verdampfen gebracht und es bildet sich ein puderiger Zucker von feiner und ebenmäßiger Körnung.

8/ Der Zucker wird dann zur zentralen Verarbeitungsstätte der Genossenschaft gebracht, wo er erst gesiebt und anschließend verrührt wird, bis er eine gleichmäßige Farbe erhält.

9/ Abschließend wird der Zucker in Säckchen à 500 Gramm abgefüllt, die so direkt an den Verbraucher verkauft werden. Die Verarbeitung bis zum fertigen Produkt durch die Genossenschaft selbst führt dazu, dass ein möglichst großer Teil des Zugewinns direkt in der Genossenschaft verbleibt.

 

 

Erfolge des Fairen Handels : Wirtschaftliche Erfolge

Auf dem Weltmarkt ist der Exportpreis für Vollrohrzucker dreimal so hoch ist wie für herkömmlichen Zucker. Dadurch gelingt es der Genossenschaft, das Einkommen der Produzentenfamilien beträchtlich zu erhöhen. Panela ist ein Qualitätsprodukt, dessen Herstellung sicherlich mehr Aufwand erfordert, von den Bauern jedoch auch zu einem gewinnbringenden Preis an die Genossenschaft verkauft werden kann. Für das traditionelle „chankaça“ hingegen finden sich keine Abnehmer mehr. Der Vollrohrzucker ist in den Tälern von Montéro und Sicchez zum wichtigsten Wirtschaftsmotor geworden. Die Verarbeitungsstätten, der Zuckerrohranbau sowie der Transport der Produkte schaffen in diesem Gebiet, das stark von der Landflucht betroffen ist, zahlreiche Arbeitsplätze vor Ort. Die Einkommen der Produzenten sind heute nicht mehr nur vom Kaffeeanbau abhängig. So können sie ihren Lebensstandard heben und auch Investitionen zur Verbesserung ihrer Kleinstbetriebe tätigen.

 

Erfolge des Fairen Handels : Soziale Erfolge

Streik von Kaffeeproduzenten in PeruBefragt man die Produzenten zu den Erfolgen der Aktion, so unterstreichen sie nicht nur die wirtschaftlichen Ergebnisse. An erster Stelle betonen sie, mit wie viel Stolz sie ihre Mikrounternehmen führen. So zeigen sie, dass es ihnen (trotz des kleinen Geschäftsumfangs) gelingen kann, Zugang zu den Exportmärkten zu erlangen.

CEPICAFE verteidigt die Interessen seiner Mitglieder vor den regionalen Verwaltungseinrichtungen, um eine bessere Stellung der Bauern in der lokalen Entwicklungspolitik durchzusetzen.

 

 

 

Erfolge des Fairen Handels : Ökologische Erfolge

Eine kleine Pflanzung, in der die Aussaat für neue Waldflächen angelegt wird. Die konkreten Effekte dieser nachhaltigen Anbauweise von Vollrohrzucker haben einen sehr wichtigen Beitrag zum Schutz der Gebirgsregion um Piura geleistet. Betrachtet man die Landschaft, so fallen zahlreiche junge Zuckerrohranpflanzungen auf. Die Ausweitung dieser Kulturen bietet in den Hanglagen einen effizienten Schutz vor Bodenerosion. Diese Dynamik lässt sich durch die guten wirtschaftlichen Erfolge erklären, zu denen der Zuckerrohranbau für die Herstellung von Vollrohrzucker geführt hat.

 

 

Bibliographische Quellen

 



Webseite: www.cepicafe.com.pe 

 

 

ETHIQUABLE (Frankreich)
www.ethiquable.coop

 

 
 
 
 
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