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Wie Fairer Handel funktioniert

Rückblick

Fairer Handel ist kein neues Konzept. Bereits vor mehr als 40 Jahren forderten Produzenten auf der CNUCED (UN-Konferenz für Handel und Entwicklung) „Trade, not aid“. Gleichzeitig entwickelten sich aus der Zivilgesellschaft heraus integrierende Netzwerke: Spezielle Organisationen importierten und verkauften direkt an den Verbraucher unter Umgehung konventioneller Distributionswege. Organisationen wie Oxfam in Großbritannien oder SOS Wreldhandel in den Niederlanden waren die ersten, die sogenannte „Weltläden“ gründeten. Die Idee verbreitete sich schnell in Europa und Nordamerika. Die Weltläden, die Nahrungsmittel und Kunsthandwerk aus den Ländern des Südens verkauften, boten eine Alternative zur üblichen Vermarktungspraxis. Hilfsorganisationen unterstützten die Kleinbauern und Kunsthandwerker bei der Vermarktung und zahlten einen fairen Preis für die Produkte.
Nachdem 1988 die Kaffeebauern im mexikanischen Bundesstaat Chiapas auf ihre schlimmen Arbeitsbedingungen aufmerksam gemacht hatten, wurde die Vereinigung Max Havelaar gegründet. Ziel war es Produzenten und Verbraucher enger zusammen zu bringen und eine Reihe von spezifischen Bedingungen für die Produktion und Rückverfolgbarkeit von Kaffee, Zucker, Bananen, Tee, Reis, Honig, Fruchtsaft, Gewürze und Baumwolle zu respektieren. Diese in Gruppen aufgeteilte, und mit einem Siegel versehenen Produkte, werden auf verschiedenen Ebenen kontrolliert. Unabhängige Prüfer besuchen die Produzentenorganisationen, die eine Zertifizierung anstreben, die es ihnen ermöglicht auf die Liste „Produzenten des Fairen Handels“ zu gelangen. Im Norden wählt Max Havelaar Importunternehmen aus, die das Logo der Vereinigung auf ihre Produkte drucken dürfen.
Als er in die Supermärkte gelangte, war der „Max Havelaar-Kaffee“ so erfolgreich, dass er sich auch schnell außerhalb von Holland ausbreitete. Andere Fairhandels-Organisationen übernahmen die Zertifizierung 1990 in Belgien, 1992 in der Schweiz und Frankreich und 1994 in Dänemark. In Spanien entstand 2005 das FAIRTRADE-Siegel, um die Entwicklung des Angebots von neuen Produkten und seine Einführung in großen Verkaufsflächen zu begünstigen. In Deutschland brachten 1993 Fairhandelsorganisationen mit „TransFair“ ihr eigenes Siegel auf den Markt. Es wird auch in Österreich, Japan und Italien genutzt. Seit 1994 verfügen auch Briten und Iren über ein eigenes Siegel: Fairtrade. 1997 wurden die verschiedenen Siegelinitiativen auf europäischer Ebene harmonisiert. Die Dachorganisation, die nun das einheitliche Siegel „FAIRTRADE“ vertritt, nennt sich „Fair Trade Labelling Organizations International“, kurz FLO.

 

Das » FAIRTRADE « Siegel

Ein Siegel, das in 58 Produzentenländern und 24 Konsumentenländern präsent ist.

» FAIRTRADE « ist das nun von allem Mitgliedern von FLO eV. verwendete Siegel. Es wird nach Überprüfung der Erzeugerorganisation durch FLO-Cert, einer unabhängigen Zertifierungsorganistion, verliehen.

Die Vereinigung » FLO e.V « noch ihre Mitgliedsorganisationen wie zB. Tranfair eV. in Deutschland kaufen weder Produkte noch verkaufen sie welche: es handelt sich um eine unabhängige Organisation, die das Fairhandels-Siegel verwaltet.

 

Das internationale Fairhandels-Siegel

Produkte mit dem Siegel « FAIRTRADE » stammen aus Fairem Handel. Sie wurden somit unter internationalen Standards des Fairen Handels produziert und gehandelt.
Wer ein Produkt mit dem Siegel « FAIRTRADE » kauft, bekommt die Garantie, dass…

  • ...ein Kaufpreis gezahlt wurde, der den Produzenten ein menschenwürdiges Dasein ermöglicht
  • ...es sich um ein Qualitätsprodukt handelt
  • ...eine Rückverfolgbarkeit des Produkts möglich ist
  • ...die Arbeitsbedingungen der Produzenten verbessert wurden
  • ...die Lebensbedingungen der Produzenten im Süde verbessert wurden

Kontrolle in allen Etappen des Versorgungsnetzwerkes

Der Verein TransFair ist der deutsche Ableger der Fairtrade Labelling Organizations International (FLO). Er vergibt das Siegel auf nationaler Ebene und kümmert sich um die Förderung des Fairen Handels. FLO vereinigt 20 ähnliche Initiativen in Europa, Nordamerika und Japan unter einen Dach. FLO definiert die Standards für jedes Produkt und unterstützt die Produzentenorganisationen.
Die Zertifizierung und die Kontrolle der zertifizierten Netzwerke wird von FLO-Cert durgeführt, einem unabhängigen Unternehmen

Verflichtungen der Produzentengruppen

Um Produkte aus Fairem Handel verkaufen zu können, verpflichten sich die Produzenten…

  • ...eine demokratische Organisation zu bilden Die Begünstigten des Fairen Handels sind benachteiligte. Sie müssen sich demokratisch organisieren. Die Organisation muss die aktive Beteiligung aller Mitglieder begünstigen ohne Diskriminierung. Wahlen garantieren die entsprechende Vertretung aller Mitglieder.
  • ...transparent zu agieren Die Organisation verpflichtet sich die Mehreinnahmen aus Fairem Handel transparent zum Wohl der Gemeinschaft zu verwalten.
  • ...die Umwelt zu schützen Die landwirtschaftliche Nutzung muss auf eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen ausgerichtet sein.
  • ...menschenwürdige Arbeitsbedingungen zu garantieren Die Begünstigten des Fairen Handels verpflichten sich auf Zwangsarbeit zu verzichten, Gewerkschaftsfreiheit zu ermöglichen sowie für gesunde und sichere Arbeitsplätze, auch für Saisonarbeiter, zu sorgen.

Verpflichtungen von Importeuren und Großhändlern

Um sich am Fairen Handel beteiligen zu können, verpflichten sich Großhändler, Weiterverarbeiter und Importeure...

  • ...die Produkte von den Bauernorganisationen zu einem fairen und stabilen Preis zu kaufen
    Der Dreh- und Angelpunkt des Fairtrade-Systems ist die Zahlung eines garantierten Mindestpreises. Dieser wird für jedes Produkt aufgrund einer genauen technischen Studie ermittelt. Er muss die Produktionskosten und eine zufrieden stellende Entlohnung aller an der Produktion beteiligten Familienmitglieder berücksichtigen. Der garantierte Mindestpreis ist ein klares Merkmal, das den Fairen Handel von anderen Modellen, darunter Bio-Zertifizierungen oder freiwillige Selbstverpflichtungen großer Unternehmen, unterscheidet.
  • ...die Ernten vorzufinanzieren
    Auf Wunsch der Produzentenorganisation ermöglicht der Importeur eine Vorfinanzierung der Ernte. Dieser Kredit verhindert, dass sich kleine Produzenten bei Wucherern verschulden.
  • ...eine langfristige Geschäftsbeziehung mit den Produzenten aufzubauen
    Der Großhändler, Importeur oder Weiterverarbeiter müssen sich auf eine langfristige Geschäftsbeziehung mit den Produzenten einlassen.
  • ...müssen Kontrollen durch FLO-Cert akzeptieren
    Der Großhändler, Importeur oder Weiterverarbeiter müssen eine lückenlose Rückverfolgbarkeit des Produkts garantieren. Sie müssen jederzeit in der Lage sein, den Ursprung der gekauften, gelagerten und verkauften Mengen nachzuweisen.

 
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