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Pressemitteilung Kakao
Der Weltmarktpreis für Kakao ist in den vergangenen Monaten drastisch gesunken. Für Kleinbauern und ihre Familien hat das drastische Folgen. Wir haben wichtige Informationen zusammengestellt - und unsere weitaus höheren Einkaufspreis natürlich trotzdem beibehalten. (mehr)


Verkaufspunkte

Alle unsere Produkte entsprechen der EG-Öko-Verordnung (DE-ÖKO-006)



Fairer Handel in der Kritik

Immer wieder ist der Faire Handel in den vergangenen Monaten in die Schlagzeilen geraten. Wenn Kritik konstruktiv geäußert wird, ist sie von enormer Bedeutung und hilft allen Akteuren des Fairen Handels dabei, Ungereimheiten zu entdecken und Fehler zu beseitigen. Wir möchten die Gelegenheit nutzen, uns mit einigen der kritisierten Punkte auseinanderzusetzen und darzustellen, wodurch sich unsere Produkte von denen anderer Anbieter unterscheiden.

FAIRTRADE-Siegel

Das FAIRTRADE-Siegel ist laut der GlobeScan-Studie 2013 weltweit das bekannteste Zeichen für fair gehandelte Produkte. Rund 1,4 Millionen ProduzentInnen aus 70 verschiedenen Ländern sind an das System angeschlossen. Wenn vom Fairen Handel die Rede ist, wird dieser in der Öffentlichkeit häufig mit dem Siegel gleichgesetzt, sodass Kritik am Siegel nicht selten zur Pauschalkritik am Fairen Handel wird.

In Deutschland vergibt TransFair, der hiesige Ableger der Fairtrade Labelling Organizations International (FLO), das Siegel auf nationaler Ebene und kümmert sich um die Förderung des Fairen Handels. Transfair leistet seit seiner Gründung insbesondere im Bereich der Bewusstseinsbildung enorm wichtige Arbeit und sensibilisiert die VerbraucherInnen mit Informationskampagnen sowie Bildungsmaterialien für die Bedeutung des Fairen Handels.

Fair aus Überzeugung – immer und nicht nur bei einigen Produkten

FAIRTRADE gibt den VerbraucherInnen beispielsweise beim Kauf von Kaffee die Gewissheit, dass die verarbeiteten Rohkaffeebohnen von Kleinbäuerinnen und -bauernkooperativen stammen, denen dafür ein festgelegten Mindestpreis sowie eine Fairtradeprämie gezahlt wurde. Der Sozialfonds soll dabei helfen, die Infrastruktur vor Ort zu verbessern und dort Bildung und eine soziale Absicherung zu ermöglichen, wo staatliche Unterstützung nicht funktioniert. Es sind Mindestkriterien, die den Welthandel dort gerechter machen sollen, wo die EinkäuferInnen sonst machtlosen Kleinbäuerinnen und -bauern die Bedingungen diktieren.

Der Markt für FAIRTRADE-gesiegelte Produkte hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert, da die Industrie verstärkt in den Fairen Handel eingestiegen ist und sich unseres Erachtens mitunter zu Recht den Vorwurf machen lassen muss, das FAIRTRADE-Siegel als Feigenblatt zu nutzen. Wenige faire Produkte lenken davon ab, dass die großen Gewinne weiterhin auf ganz konventionellem Weg eingefahren werden. Gleichzeitig liegen die Preisaufschläge für fair gehandelte Produkte oft deutlich über dem eigentlich Mehrwert für die ProduzentInnen. Wir möchten uns nicht an einer gute Idee bereichern und beschränken daher die eigene Marge, um fair gehandelte Produkte auch zu fairen Verkaufspreisen in den Handel zu bringen.

Als Produktsiegel bewertet FAIRTRADE allerdings einzelne Artikel und nicht ganze Unternehmen. Einem FAIRTRADE-gesiegelten Artikel großer Konzerne liegen zwar die gleichen Mindestkriterien zugrunde wie etwa unseren FAITRADE-gesiegelten Produkten. Doch der Teufel steckt im Detail. Denn klassische Akteure des Fairen Handels wie ETHIQUABLE arbeiten anders als Großkonzerne. Für uns ist Fairer Handel kein Vollwaschprogramm fürs Unternehmensimage, sondern Überzeugungssache.

Unabhängige Zertifizierungen sind für uns das Mindestmaß

Unabhängige Zertifizierungen wie FAIRTRADE, ECOCERT FAIR-TRADE und das Kleinproduzenten-Symbol SPP bilden bei uns dabei das Mindestmaß dessen, was wir leisten möchten. Vielfach gehen die ETHIQUABLE-Genossenschaften in Deutschland, Frankreich und den Benelux-Staaten noch einige Schritte weiter. Das können etwa die im Vergleich zum Fairtrade-Mindestpreis deutlich höheren Einkaufspreise, gemeinsam mit unseren HandelspartnerInnen ins Leben gerufene Entwicklungsprojekte oder auch die höhere Wertschöpfung im Ursprungsland sein.

Glaubwürdigkeit und Transparenz spielen für uns eine große Rolle. Die unabhängigen Siegel auf unseren Produkten sollen den VerbraucherInnen die Gewissheit geben, dass unser Handeln extern kontrolliert wird und nicht bloß auf freiwilligen Selbstverpflichtungen basiert. Ein eigenes Logo zur Visualisierung unseres Fair-Trade-Ansatzes genügt uns nicht. Wir legen deshalb auf die Zertifizierung durch unabhängige Organisationen großen Wert.

Mengenausgleich im Fairen Handel

Der immer wieder in den Medien auftauchende Mengenausgleich macht den Unterschied besonders deutlich. Er ermöglicht es großen Herstellern, eine bestimmte Menge fair gehandelter Zutaten einzukaufen und eine adäquate Menge FAIRTRADE-gesiegelter Produkte zu verkaufen, ohne sicherstellen die physische Rückverfolgbarkeit sicherstellen zu müssen. Falls beispielsweise die Verpackung einer Tafel Schokolade den Hinweis auf Mengenausgleich enthält, muss sie nicht zwangsläufig fair gehandelten Zucker enthalten. Es muss lediglich sichergestellt sein, dass eine entsprechende Menge fairen Zuckers eingekauft wurde. Das birgt die Gefahr, von KonsumentInnen als eine Art Etikettenschwindel wahrgenommen zu werden.

Verantwortungsvoll genutzt, vereinfacht die Idee des Mengenausgleichs jedoch die Schokoladenproduktion und sorgt damit für günstigere Preise. Die AkteurInnen des Fairen Handels haben nämlich in der Regel keine eigenen Fabriken und müssen daher sogenannte LohnverarbeiterInnen damit beauftragen, ihre Produkte herzustellen. Wenn diese ihre Maschinen vor jeder Produktion komplett anhalten und intensiv reinigen müssen, sorgt das für deutlich höhere Kosten. Der Mengenausgleich schafft hingegen die Möglichkeit, auch dann FAIRTRADE-gesiegelte Produkte herzustellen, wenn sich noch Reste anderer Zutaten in den Maschinen befinden.

Aus diesem Grund wird auch auf einigen unserer Schokoladen auf den Mengenausgleich hingewiesen. Da unser Sortiment ausschließlich biologisch angebaute und fair gehandelte Produkte enthält, können sich die VerbraucherInnen dennoch darauf verlassen, dass all Zutaten bis zum Ursprung zurückverfolgt werden können. Denn die Vorgaben der EU-Bio-Verordnung verpflichten uns dazu, alle verarbeiteten Chargen zu dokumentieren.

Es geht um mehr als Rohstoffe

Fairer Handel ist für uns mehr als nur der bloße Einkauf von Rohstoffen. Mit einigen Leuchtturmprojekten zeigen wir bereits heute, in welche Richtung der Faire Handel gehen kann und soll. So werden beispielsweise Kartoffelchips, Bananenchips, Vollrohrzucker, Konfitüren und weitere Produkte aus unserem Sortiment direkt im Ursprungsland weiterverarbeitet und fertig verpackt nach Europa verschifft. Das sorgt für höhere Wertschöpfung vor Ort und den sukzessiven Aufbau professioneller Strukturen zur Weiterverarbeitung der im globalen Süden angebauten Rohstoffe. Wir sind nicht perfekt und wir sind noch lange nicht am Ziel angelangt, aber wir haben das Gefühl, auf einem guten Weg zu sein.

Fairtrade-Programme sind für klassische Fairhandelsakteure keine Option

Die sogenannten FAIRTRADE-Programme für Kakao, Zucker und Baumwolle betrachten wir deshalb mir Sorge. Der Grundsatz, für Mischprodukte, alle fair verfügbaren Zutaten auch fair gehandelt zu beziehen, war und ist uns besonders wichtig. Für die Programme gilt er nicht mehr. Wir sehen den gut gemeinten Gedanken der Programme: Sie sollen den Kleinbäuerinnen und -bauern dabei helfen, größere Mengen abzusetzen. Unserer Vorstellung von Fairem Handel entsprechen. "Ein bisschen fair" funktioniert unseres Erachtens nicht und sorgt bei den KonsumentInnen trotz des optisch im Vergleich zum normalen Siegel leicht veränderten Erscheinungsbilds für Irritationen und berechtigen Ärger. Sie gefährden das Vertrauen in ein Siegel, das bereits viel erreicht hat.

Fairer Handel – mehr als ein Marketingtrick

Ungerechte Welthandelsstrukturen ändern zu wollen, ist ein langer und mühsamer Prozess. Doch wir glauben weiterhin daran, dass er gelingen kann und sehen die Notwendigkeit, unser eigenes Handeln wie auch das Handeln der gesamten Szene immer wieder kritisch zu hinterfragen. Das FAIRTRADE-Siegel stand und steht für den richtigen Ansatz. Aber FAIRTRADE steht nur dann für wirklich Fairen Handel, wenn es nicht als Marketinginstrument, sondern als Firmenphilosophie verstanden wird.