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Sind Kooperativen? Archives: ja

APRAINORES – Cashewkerne aus El Salvador



Die Genossenschaft Asociación de Productores Agroindustriales Orgánicos de El Salvador (APRAINORES) ist in der Region Bajo Lempa zum Vorreiter für den biologischen Anbau von Cashewkernen geworden. Die Partnerschaft mit ETHIQUABLE ermöglicht es der Organisation, ihre Aktivitäten dauerhaft fortzusetzen.

El Salvador hat derzeit etwa 7 Millionen Einwohner, nachdem während des Bürgerkriegs von 1979 bis 1992 nach Schätzungen etwa 2,5 Millionen Salvadorianer ausgewandern sind, hauptsächlich in die USA. Im Zuge des Friedensprozesses hatte die Regierung seinerzeit Land an ehemalige Guerillakämpfer und Flüchtlinge verteilt.

APRAINORES ist eine Organisation, die aus diesem Rehabilitationsprojekt hervorgegangen ist. Sie wurde 2002 mit der Unterstützung einer lokalen Nichtregierungsorganisation gegründet. Seitdem ist APRAINORES die einzige Erzeugergenossenschaft, die selbst über die nötige Technik verfügt, um verarbeitete Cashewkerne zu exportieren.

Doch die Kooperative arbeitete in den ersten Jahren nicht rentabel und schlitterte so in eine wirtschaftliche Krise. Der Hauptgrund dafür war das zu geringe Eigenkapital. Denn Cashews werden nur einmal im Jahr geerntet, sodass APRAINORES den Produzenten die komplette Ernte abkaufen musste, um sie dann sukzessive weiterzuverarbeiten. Im Jahr 2005 stand die Genossenschaft kurz vorm Bankrott. Einige Fairhandelsakteure, unter anderem ETHIQUABLE, wurden aktiv und unterstützten APRAINORES.

Weiterverarbeitung in El Salvador

Die Mitglieder von APRAINORES haben sich alle der biologischen Landwirtschaft verschrieben. Sie düngen also nur mit natürlichen Mitteln und befreien ihre Parzellen manuell von Unkraut. Zwischen Februar und Mai findet dann die etwa 40-tägige Ernte statt. Im Anschuss werden die Cashews drei Tage lang sonnengetrocknet und schließlich zur Weiterverarbeitung in die Fabrik der Genossenschaft transportiert.

Auswirkungen des Fairen Handels für Aprainores

Ein besserer Preis für den Produzenten

Die Genossenschaft APRAINORES verarbeitet jährlich etwa 180 Tonnen Cashewkerne und kann inzwischen mehr als 90 Prozent davon an Akteure des Fairen Handels verkaufen. Dadurch erhalten die Produzenten bis zu 30 Prozent mehr Geld als bei den lokalen Zwischenhändlern.

Lokale Weiterverarbeitung sorgt für neue Jobs

Während Cashewkerne in der Regel in Indien weiterverarbeitet werden, hat APRAINORES sich dafür entschlossen, die Verarbeitung selbst zu übernehmen. Dadurch werden 80 Mitarbeiter beschäftigt. Das ist für die von Landflucht geprägte Region ein großer Erfolg.

Gestärkt aus der Krise

APRAINORES hat die wirtschaftliche Krise überstanden und ist nun bestrebt, die Erwartungen seiner Mitglieder zu erfüllen, indem die Genossenschaft ihre Verwaltungskosten minimiert und den Transport der Cashews von den Bauern in die Fabrik erleichtert. Neben den kleinbäuerlichen Produzenten sind auch die 80 Arbeiter Mitglieder der Organisation.

Aktiver Umweltschutz

Beim biologischen Anbau der Cashews ist die Pflanze mehrjährig. Nach der Erntezeit dienen die Anbauflächen oft als Weidefläche für Tiere.

 

In aller Kürze

  • Partner seit 2005
  • 150 Produzenten und etwa 80 Arbeiter zum Schälen der Cashews
  • Parzellen mit etwa 2 bis 3 Hektar Größe und hoher Diversität
  • 2002 mit Unterstützung einer lokalen Nichtregierungs- organisation gegründet

Vor Ort

Unser Mitarbeiter Nicolas Eberhart (Agrarwissenschaftler) hat das Projekt mitinitiiert und begleitet es vor Ort.

Produkte von APRAINORES bei ETHIQUABLE

Weltkarte

Ende der rechten Spalte.

FECCANO – Kakao aus Haiti


Haiti ist nicht nur das ärmste Land der nördlichen Hemisphäre, das wir betrachten, wenn ein Hurrikan es verwüstet. Es ist auch ein Land, in dem alte, für die Karibik typische Kakaobäume kultiviert werden. Aber in der Vergangenheit wurden die 4000 Tonnen Kakaobohnen, die jedes Jahr geerntet wurden, im Gegensatz zum Kakao anderer karibischer Länder nicht auf dem Weltmarkt bewertet. Haitianischer Kakao war ausschließlich für den Massenmarkt bestimmt und wurde dort zu entsprechend schlechten Preisen verkauft.

Das hatte auch einen Grund. Denn auf Haiti war es nicht üblich, den Kakao zu fermentieren. Ohne diesen essentiellen Verarbeitungsschritt entfaltet der Kakao aber nicht sein volles Aroma. Das tolle Potenzial der Bohnen wurde also nicht genutzt. Das ETHIQUABLE-Projekt in Zusammenarbeit mit der Genossenschaft FECCANO veränderte die Situation grundlegend. Im Jahr 2015 wurde der Kakao der Kooperative bei den International Cocoa Awards bereits mit dem Prädikat „Cocoa Of Excellence“ ausgezeichnet.

Kakao in der Krise

Die jährliche nationale Kakaoproduktion auf Haiti wird auf 4.000 bis 6.000 Tonnen geschätzt. Im Vergleich zu anderen produzierenden Ländern wie der benachbarten Dominikanischen Republik ist das ein verschwindend geringer Wert. Denn dort wird mit 50.000 Tonnen pro Jahr 12 Mal mehr Kakao geerntet. Für die haitianische Wirtschaft spielt der Kakao dennoch eine große Rolle. Denn er ist eines der wenigen Exportgüter, die dabei helfen, die stark negative Handelsbilanz des Landes auszugleichen.

Trotzdem spielte der Kakao in den vergangenen Jahrzehnten auf Haiti weder für die Regierung noch für die vielen NGOs eine besondere Rolle. Die Produzenten erhielten keine technische Unterstützung und keine relevanten Fördermittel. Die haitianischen Kakaobauern hatten keinen eigenen Marktzugang und waren den Zwischenhändlern komplett ausgeliefert.

Die unsichere Situation im Land, die Naturkatastrophen und die Wirtschaftskrise der vergangenen 20 Jahre haben dazu geführt, dass frühere Exportsektoren praktisch verschwunden sind. Viele Exporteure haben ihre Tätigkeit aufgegeben und stattdessen mit dem Import von Lebensmitteln und Fertigwaren begonnen.

Abgesehen von ein paar ganz kleinen Unternehmen gibt es auf Haiti im Wesentlichen nur zwei Kakaoexporteure, die den Inselstaat untereinander aufgeteilt haben. Unter diesen Bedingungen agiert Haitis Kakaosektor nahezu unabhängig von internationalen Marktpreisschwankungen. Die Preise für Kakao sind sehr niedrig und erreichen gerade einmal 50 Prozent des Preises, der für Qualitätskakao im Nachbarland Dominikanische Republik bezahlt wird. Preiserhöhungen auf dem Weltmarkt werden gar nicht oder nur teilweise an die Erzeuger weitergegeben. Seit der Öffnung der Märkte existieren solche Bedingungen in keinem anderen Land Lateinamerikas mehr.

Der haitianische Kakao hat einen bemerkenswerten Charakter. Seine fruchtigen Aromen sind auf die alten von den Bauern kultivierten Sorten zurückzuführen, aber auch auf einen Boden, der für die Produktion eines hochwertigen Kakaos gut geeignet ist.

Kakao aus lebendigen Agroforstsystemen

Kakaoanbau in Haiti ist keine Monokultur, sondern die Frucht eines Agroforstgartens, in dem Kakaobäume zusammen mit vielen anderen Pflanzen gedeihen. So werden zum Beispiel Nahrungsmittel wie die Yamswurzel im Schatten von Kakaobäumen angebaut. Auch Kochbananen, Maniok, Bohnen und Mais sowie Obstbäume finden sich dort. Sie dienen der Selbstversorgung, werden als Tierfutter verwendet oder mitunter auch auf dem Markt verkauft.

Die große Vielfalt ermöglicht dem Landwirt und seiner Familie, Risiken zu begrenzen, indem die Produktion so weit wie möglich diversifiziert wird. Die meisten Kleinbauern haben somit sowohl eine der Selbstversorgung dienende Nahrungsmittelproduktion (Knollen, Erbsen, Bananen usw.) als auch ein gewisses monetäres Einkommen durch den Verkauf von Produkten wie Kakao oder Früchten. In den Höhenlagen spielt der Kaffeeanbau eine wichtige Rolle, in den tieferen und feuchteren Gebieten ist es eher der Kakao.

Den Kakaoanbau in Haiti zu fördern, bedeutet daher nicht, eine Monokultur oder Intensivierung zu fördern, die der Ernährungssicherheit entgegensteht. Ganz im Gegenteil: Die gezielte Unterstützung der Vermarktung hochwertigen Kakaos sichert den Fortbestand der wertvollen Agroforstsysteme.

Eine verbesserte Einkommens- und Lebenssituation

Die Familienbetriebe, die auf Haiti Kakao produzieren, haben oft nur 1.000 bis 3.000 Quadratmeter Fläche zur Verfügung. Kleinbauern mit zwei bis drei Hektar Fläche bilden eher die Ausnahme. Obwohl die Bauern in den Kakaogebieten nicht ganz so arm wie ihre Kollegen trockeneren Gebieten sind, haben sie aufgrund der kleinen Parzellen nur sehr begrenzte Verdienstmöglichkeiten.

Das Einkommen einer Bauernfamilie liegt in der Regel zwischen 500 bis 1000 US-Dollar pro Jahr, 50 Prozent davon stammen direkt aus dem Verkauf von Kakao. Diese Bareinkünfte ermöglichen im Idealfall den Zugang zu Grundnahrungsmitteln wie Reis und Öl sowie die Abdeckung grundlegender Bedürfnisse wie etwa Bildung, Kleidung oder rudimentäre Gesundheitsversorung.

Die Genossenschaft FECCANO tut alles dafür, die Kleinbauern aus ihrer prekären Situation zu befreien. Eine besonders wichtige Rolle spielt dabei die Aufwertung des Kakaos, damit die Produzenten ihre Ernte zu besseren Preisen verkaufen können.

Aktiver Umweltschutz durch Nutzung

Haiti war einst mit Waldgärten bedeckt. Der Mix aus Kaffee, Kakao oder Obstbäumen schützte den Boden und machte es möglich, auch an steilen Händen Landwirtschaft zu betreiben. Doch die Vegetationsdecke ist nach und nach verschwunden. Das führt zu einer starken Bodenerosion und mitunter zu verheerenden Fluten.

Diese Umweltzerstörung in Haiti ist unbestritten die Folge aller Krisen, die die Insel im letzten Jahrhundert erlebt hat. Die ersten Opfer der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Krisen sind die Bauern, die 70 Prozent der Bevölkerung ausmachen.

Umweltzerstörung und Verarmung der Bauern hängen unmittelbar miteinander zusammen. Aufgrund ihrer prekären Lage waren viele Familien gezwungen, ihre Bäume zu fällen, um daraus Holzkohle als Brennstoff zum Kochen herzustellen. Kaffee- oder Kakaoparzellen wurden sukzessive aufgegeben, um stattdessen schnellwachsende Pflanzen zur Selbstversorgung anzubauen.

Schlechte Preise und unsichere Vermarktungswege für Kaffee und Kakao verstärkten dieses Phänomen. Die Ernährungssituation der Familien hat sich dadurch aber keineswegs verbessert. Stattdessen hat sich das Produktionspotenzial der landwirtschaftlichen Betriebe verschlechtert, wodurch sich die prekäre Lage der Bauern manifestiert.

Den Kakaoanbau in Haiti zu stärken, bedeutet daher auch, Schutzpflanzen wiederzugewinnen, die Böden und Wasserquellen in Bergregionen erhalten. Wenn Kaffee- und Kakaoanbau auf Haiti gezielt unterstützt würden, könnten die Waldgärten wieder profitabel betrieben werden. Kakao war einst in allen Feuchtgebieten der Insel präsent. Doch es sind nur noch wenige Kakaozonen wie etwa der Tätigkeitsbereich von FECCANO im Norden erhalten geblieben. Wer dorthin kommt, lässt den Blick über eine Landschaft schweifen, die von Bäumen geprägt ist. So müsste es wieder auf der ganzen Insel aussehen.

FECCANO verändert den haitianischen Kakaomarkt

Im Verband FECCANO haben sich sechs Basiskooperativen mit insgesamt mehr als 3000 Mitgliedern im Norden Haitis zusammengeschlossen. Die Gründung der Basisgenossenschaften erfolgte bereits in den 1980er Jahren als Ergebnis eines Hilfsprojekts der mennonitischen Hilfsorganisation MEDA. Das Ziel des Projektes war es, die Vermarktung von Kakao zu verbessern. Damals übernahmen die Genossenschaften im Endeffekt die Rolle eines Zwischenhändlers. Sie sammelten den unfermentierten Kakao ein, trockneten ihn auf eigenen Betonflächen und verkauften ihn an die Exporteure.

Im Jahr 2002 beschloss die haitianische Nichtregierungsorganisation SEFADES, die Kakaoproduzenten zu unterstützen und einen Dachverband für die sechs Genossenschaften im Norden ins Leben zu rufen: FECCANO. Mit Mitteln aus einem Fonds für internationale Zusammenarbeit konnte ein Team von SEFADES die Gründung und Organisationsentwicklung von FECCANO unterstützen. 2003 erhielt der Kooperativenverband die Fairtrade-Zertifizierung. Zwei Jahre lang wurde nicht fermentierter Kakao von FECCANO nach Holland exportiert. Als der Projektzeitraum endete, fielen die Genossenschaften wieder in ihre alte Rolle als Zwischenhändler für die Exporteure zurück.

Im November 2007 besuchten Vertreter von ETHIQUABLE und der französischen Nichtregierungsorganisation Agronomes et Vétérinaires Sans Frontières (AVSF) zum ersten Mal FECCANO. Es zeigte sich, dass die Basiskooperativen weiterhin gut funktionierten, aber keine eigenen Exporte mehr stattfanden. Eine der Genossenschaften, CAPUP, zählte 530 Mitglieder und vermarktete fast 150 Tonnen Kakao pro Jahr.

Die gute Arbeit der Basiskooperativen und der Ehrgeiz, sich trotz schwieriger Bedingungen zu behaupten und weiterzuentwickeln, waren sehr beeindruckend. Deshalb entschied ETHIQUABLE, 2009 erstmals 14 Tonnen Kakao von FECCANO zu importieren.

Seitdem kaufen wir jede Saison Kakao. Die Einkäufe von ETHIQUABLE belaufen sich inzwischen auf etwa 50 Tonnen Kakao pro Jahr und wir verarbeiten die Bohnen von FECCANO in verschiedenen Schokoladen sowie auch zu Kakaopulver.

Bevor der erste Export stattfinden konnte, mussten sich Mitarbeiter und Mitglieder der Kooperative sich zunächst weiterbilden, um den Kakao optimal fermentieren zu können. Die Fermentation von Kakao ist technisch nicht besonders kompliziert, aber sie erfodert viel Erfahrung und Präzision. Da es in Haiti dazu kein lokales Know-how gab, entschieden wir uns dazu, einen peruanischen Produzenten der Genossenschaft NORANDINO einzuladen, damit er sein Wissen über den Fermentationsprozess an die haitianischen Produzenten weitergibt.

Er war 2009 für mehr als zwei Wochen vor Ort, um Gärbehälter zu errichten und den Kakaobauern zu zeigen, wie sie konkret vorgehen müssen. Dieser Erfahrungsaustausch zwischen den Produzenten des Südens wurde 2010 fortgesetzt, als ein ecuadorianischer Techniker FECCANO besuchte. Der Aufwand hat sich gelohnt: Während im Jahr 2009 mehr als 60 Prozent der Bohnen der Kooperativen lila und somit nicht ausreichend fermentiert waren, liegt dieser Anteil heute nur noch bei etwa 25 Prozent. Innerhalb weniger Jahre haben es die Produzenten im Norden Haitis geschafft, einen feinen und aromatischen Ursprungskakao zu liefern. Das ist ein toller Erfolg.

Im Juli 2011 erreichte FECCANO den nächsten Meilenstein und erhielt die Bio-Zertifizierung. In einem Land wie Haiti, in dem Landwirte eigentlich keine Chemikalien einsetzen, bringt die Bio-Zertifizierung eigentlich keine Veränderungen in der Bewirtschaftung der Felder mit sich. Aber der enorme Formalismus war in einer von Analphabetismus geprägten Region eine große Herausforderung. Es muss ein System der Rückverfolgbarkeit geschaffen werden. Jeder Produzent führt ein Notizbuch, in dem er Aktivitäten und Erntemengen vermerkt. Per GPS werden die Parzellen kartiert und ein internes Kontrollsystem sorgt dafür, dass regelmäßige Feldkontrollen durchgeführt werden.

Ende 2011 war FECCANO der erste Exporteur von zertifiziertem Fair-Trade- und Bio-Kakao aus Haiti. Zunächst war ETHIQUABLE der einzige Käufer des fermentierten Bio-Kakaos von FECCANO. Aber im Jahr 2012 gelang es dem Verband, einen zweiten Käufer zu interessieren. Dadurch kann sich die Produzentenvereinigung sicherer und nachhaltiger entwickeln. Denn einseitige Abhängigkeiten sollen vermieden werden.

Erfolge der Partnerschaft

1. Eine gereifte Organisation

Durch den Beginn des Projekts wurde FECCANO neues Leben eingehaucht. Das demokratische Leben der Organisation wurde durch zwei Vorstandswahlen und viele Versammlungen reorganisiert. Die AVSF-Unterstützung hat dazu beigetragen, ein zentrales Lager zu errichten, in dem Kakao verarbeitet wird. Eine mehrstufige Qualitätskontrolle wurde etabliert und die 6 Basisgenossenschaften haben ihre Kapazitäten und ihre Funktionsweise verbessert.

2. Bessere Preise

In den letzten zwei Jahren hat FECCANO seinen Kakao für etwa 3.300 USD / Tonne verkauft, obwohl der Marktpreis zwischen 2000 und 2200 USD lag. Diese Preisdifferenz ermöglicht es den Genossenschaften, Bauern für Kakao etwa 30 Prozent mehr zu bezahlen als lokale Vermittler und trotzdem Investitionen (Trockner, Büros usw.) sowie Weiterbildungen finanzieren zu können.

3. Bio-Zertifizierung und Qualität

Heute sind 350 Produzenten und somit etwa 15 Prozent aller Mitglieder bio-zertifiziert. Die Herausforderung für FECCANO wird es in den kommenden Jahren sein, die Anzahl der zertifizierten Produzenten zu erhöhen. Der Austausch mit den Kooperativen aus Peru und Ecuador ermöglichte es den haitianischen Produzenten, die Kakao-Fermentation selbst zu steuern. In diesem Bereich gibt es noch Verbesserungspotenzial, aber es wurde viel errreicht.

4. Verbesserung der Produktion

Die größte Herausforderung für FECCANO besteht heute darin, die Produktivität der Parzellen zu erhöhen. Dies wird Gegenstand eines neuen Austauschs mit Produzenten aus Südamerika sein

In aller Kürze

  • Partner seit 2009
  • Zusammenschluss von 6 Kooperativen im Norden Haitis, in denen sich insgesamt mehr als 3.000 Kakaobauern zusammengeschlossen haben
  • Erhalt alter Kakaosorten
  • Süd-Süd-Wissenstransfer: Kakaobauern von Norandino in Peru und FONMSEOAM in Ecuador haben ihr Know-how an FECCANO-Produzenten weitergegeben
  • FECCANO war 2011 der erste Exporteur bio-zertifizierten Fair-Trade-Kakaos in Haiti

Produkte von FECCANO bei ETHIQUABLE

Weltkarte

Organic Jasmine Rice Producer Group – Reis aus Thailand



Die Mitglieder der Organic Jasmine Rice Producer Group (OJRPG) sind allesamt Kleinbauern, die in einer armen Region im Nordosten Thailands Hom Mali Reis anbauen. Die Sorte Hom Mali entwickelt beim Kochen einen feinen Jasminduft und wird daher als Jasmin- oder Duftreis bezeichnet.

Die Produzenten der OJRPG leben rund um die Stadt Trakarnphuthon in etwa 200 verschiedenen Dörfern. Ihre Organisation hat einen Kreditfonds eingerichtet, um mit kleinen Darlehen dabei zu helfen, die Struktur der kleinen landwirtschaftlichen Betriebe zu verbessern. […]

Mazateken – Honig aus Mexiko



Die Kooperative „Miel Nectar Mazatecos“ ist ein Zusammenschluss 30 indigener Familien der Mazateken, die in einem sehr isolierten Gebiet des Bundesstaates Oaxaca in Mexiko leben. Sie beschlossen 2008, zusätzlich zum Anbau von Kaffee, Bohnen und Mais auch in die Imkerei einzusteigen.Der Bundesstaat Oaxaca ist zwar eine der ersten Regionen gewesen, in denen die Rechte der Ureinwohner verteidigt wurden. Aber die ländliche Bevölkerung hat Mühe, von ihrer Arbeit zu leben. Deswegen spielt Abwanderung eine große Rolle. Die Mazateken versuchen nun, mit der Imkerei ihr Einkommen zu verbessern, um dauerhaft in ihrer Heimat bleiben zu können.

In aller Kürze

  • Partner seit 2017
  • 30 Imker

Vor Ort

Unser Mitarbeiter Nicolas Eberhart (Agrarwissenschaftler) hat das Projekt mitinitiiert und begleitet es vor Ort.

Produkte der Mazateken bei ETHIQUABLE

Weltkarte

NORANDINO – Kakao und mehr aus Peru



NORANDINO (ehemals CEPICAFE) ist eine Erfolgsgeschichte. Aus einer Vereinigung mit 200 Gründungsmitgliedern im Jahr 1995 ist inzwischen ein Verband geworden, dem mehr als 7.000 Familien angehören. Sie alle leben in der Sierra Piura, dem Teil der Anden im äußersten Norden von Peru.

NORANDINO ist zu einer echten Bauernbewegung geworden, die sich seit vielen Jahren auf den Fairen Handel und die Zusammenarbeit mit ETHIQUABLE stützt, um eine stabile Basis zu schaffen und ihr alternatives Modell auf- und auszubauen.
[…]

Wupperthal Tea Association – Rooibos-Tee aus Südafrika



Die Gemeinschaft Wupperthal wurde im 19. Jahrhundert als Missionsprojekt gegründet. Als sich die Missionare 1998 zurückzogen, übernahmen die Mitglieder die Organisation und schafften es 2005, rechtlich als Genossenschaft anerkannt zu werden. In diesem Jahr erhielt die Gruppe auch die Fairtrade-Zertifizierung (FLO) und das Bio-Siegel. Heute vereint die Genossenschaft mehr als 72 Kleinproduzenten. Ihre Mitgliederzahl wächst stetig. […]

SMSA – Olivenöl aus Tunesien



In Tunesien kontrollieren wenige Unternehmer nahezu den kompletten Olivenöl-Export. Etwa 70 Prozent des Öls landen in Spanien und Italien, um dort mit lokalen Ölen gemischt zu werden. Die Genossenschaft SMSA (Société Mutuelle de Services Agricoles de Magel Bel Abbès) geht einen anderen Weg: Die Kleinbauern füllen ihr eigenes Öl direkt vor Ort ab und exportieren es selbst.

In einem Land, dessen landwirtschaftliche Flächen zu etwa 30 Prozent für den Olivenanbau genutzt werden, haben Leuchtturmprojekte wie jenes der SMSA eine immense Bedeutung. Denn der Olivenanbau spielt eine wichtige Rolle im sozialen und wirtschaftlichen Leben Tunesiens. Olivenöl macht fast 50 Prozent der tunesischen Agrar-Exporte aus und mehr als eine Million Menschen bestreiten ihren Lebensunterhalt direkt oder indirekt mit dem Anbau, der Weiterverarbeitung und dem Verkauf von Olivenöl. Außerdem spielt der Olivenanbau eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, die fortschreitende Wüstenbildung in Tunesien aufzuhalten. Denn die Olivenbäume können eine natürliche Barriere bilden und den Sand stoppen.

Olivenanbau in einer der ärmsten Regionen Tunesiens

Die Provinz Kasserine liegt im Herzen Tunesiens an der Grenze mit Algerien und ist eine der ärmsten Regionen des Landes. Mit einer Niederschlagsmenge von weniger als 330 Millimetern pro Jahr ist die Region extrem trocken. Widerstandsfähiges Getreide und Oliven gehören zu den wenigen Agrarprodukten, die dort angebaut werden können. Die Arbeitslosenquote ist hoch: Etwa ein Viertel der erwerbsfähigen Bevölkerung hat keinen Job. Unter den Jugendlichen liegt der Anteil sogar noch höher: Mehr als 35 Prozent von ihnen haben kein festes Einkommen.

Die Kooperative SMSA hat ihren Sitz in Majel Bel Abbès. Die Kleinstadt befindet sich in der Nähe von Sidi Bouzid, dem Ausgangspunkt des Arabischen Frühlings. Die Region ist eine der Gegenden, die unter den Bourguiba- und Ben-Ali-Regimen am meisten verwüstet wurden. Das zeigt sich noch heute an schlechter oder teilweise fehlender Infrastruktur. Es gibt nur ein einziges Krankenhaus für 450 000 Einwohner, der Zugang zu Trinkwasser ist nicht flächendeckend gewährleistet und viele Straßen sind nicht oder nur schlecht asphaltiert.

Produkte vor Ort weiterverarbeiten und direkt exportieren

Während sich der Olivenanbau in Tunesien auf die Schultern vieler Kleinbauern verteilt, liegt der Export in den Händen weniger großer Unternehmen. Für SMSA war es daher zunächst ein großes Wagnis, die traditionellen Exportstrukturen Tunesiens nicht zu nutzen und einen eigenen Weg zu gehen. Doch der Erfolg gibt ihnen Recht: Die Genossenschaft übernimmt nach der Olivenernte im Auftrag ihrer Mitglieder Weiterverarbeitung und Export.

Tunesien wird als Produzent hochwertigen Olivenöls kaum wahrgenommen, während andere Mittelmeerländer wie Italien oder Griechenland für ihre Öle weltweit bekannt sind. Durch die Zusammenarbeit mit SMSA möchte ETHIQUABLE einen Beitrag dazu leisten, Tunesien als Ursprungsland hochwertigen Olivenöls bekannter zu machen.

Kooperation zwischen SMSA in Tunesien und Ethiquable

Im Gespräch zwischen einem Landwirtschaftsberater von ETHIQUABLE und Vertretern der Kooperative SMSA entstand 2010 in Tunesien die Idee, innerhalb der Genossenschaft die Olivenernte zu Öl zu verarbeiten und selbst zu exportieren. Nach einem Jahr intensiver Arbeit hatten die 16 Produzenten der Genossenschaft alle Voraussetzungen geschaffen, um die Oliven gemäß den Vorgaben der EG-Öko-Verordnung zu pressen und in Tunis abfüllen zu lassen. Bis heute besucht ein Mitarbeiter von ETHIQUABLE zwei Mal im Jahr die Kooperative, um das Projekt auch weiterhin zu begleiten.

Ziele und Effekte des Fairen Handels

1. Tunesien als Ursprungsland für Olivenöl bekannter machen

Natives Olivenöl der SMSA hat eine bemerkenswerte Qualität und ist bio-zertifiziert. Es leistet dadurch einen Beitrag dazu, Tunesien als Anbauland für Oliven bekannter zu machen.

2. Vor Ort ein Produkt zu erstellen: der Stolz der Genossenschaft

Der Großteil des tunesischen Olivenöls wird fässerweise nach Spanien, Italien und in die USA exportiert. Ein Endprodukt in Tunesien herzustellen, erhöht die Wertschöpfung vor Ort und gibt der Genossenschaft somit die Möglichkeit, mit ihrer Arbeit einen höheren Mehrwert zu schaffen.

3. Zugang zum Qualitäts-, Bio- und Fair-Trade-Markt

Die Genossenschaft sammelt mit ihrem Olivenöl Erfahrungen in der Vermarktung fair gehandelter Bio-Produkte und kann dieses Wissen zur eigenen Weiterentwicklung nutzen und an andere Kooperativen weitergeben.

4. Selbstständige und unabhängige Organisation

Die SMSA ist eine der ersten Genossenschaften Tunesiens, die ihre eigenen Produkte direkt exportiert. Die Unabhängigkeit von großen Exporteuren hat sie nun dazu motiviert, neue Vertriebswege zu suchen und weitere Produkte zu entwickeln. Derzeit denken sie zum Beispiel über Anbau, Weiterverarbeitung und Export von Pistazien sowie Mandeln nach.

In aller Kürze

  • Partnerschaft seit 2012
  • Das Olivenöl-Projekt wurde von Ethiquable initiiert, 2014 begann man auch mit der Mandel-Produktion.

Vor Ort

Unser Mitarbeiter Adrien Brondel (Agrarwissenschaftler) mit Wohnsitz in Paris hat das Projekt mitinitiiert und begleitet es vor Ort. Er kümmert sich um Projekte in Afrika und Frankreich.

Produkte von SMSA bei ETHIQUABLE

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SCEB – Kakao aus der Elfenbeinküste



Auf dem Kakao-Weltmarkt werden jedes Jahr etwa 80 Milliarden US-Dollar umgesetzt, aber das Geschäft beschränkt sich im Wesentlichen auf zehn Großunternehmer, darunter 4 multinationale Konzerne. Einige Namen sind Barry Callebaut, ADM, Cargill sowie Kraft/Cadbury, Nestlé, Ferrero und Hershey.

Die Elfenbeinküste, wo 49% der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze lebt und mit lediglich einem Dollar pro Tag haushalten muss, steht auf Platz eins der Kakaoproduktion für den Massenmarkt. Dieser Kakao ist ein günstiger Standardkakao, der von den feinen Edelkakaos unterschieden werden muss.

Die Coopérative Equitable du Bandama (SCEB) ist nicht auf diesem Massenmarkt unterwegs, sondern vertreibt Premium-Kakao, der biologisch angebaut und fair gehandelt ist. Mit Unterstützung von ETHIQUABLE ist es der Genossenschaft gelungen, ihre Kakaobohnen ohne Zwischenhändler direkt zu verkaufen.
[…]

Oro Verde – Kaffee aus Peru

Koka versus Kaffee



In den 1980er Jahren breitete sich der illegale Koka-Anbau in Peru stark aus. Der Drogenhandel hatte viele Amazonas-Regionen fest in der Hand. Lamas ist eine der Regionen, die besonders stark von dieser verheerenden Entwicklung betroffen war. Die Koka-Wirtschaft brachte viel Leid wie etwa hemmungslose Gewalt, die Abwanderung der jungen Generation und die Verschlechterung sozialer Strukturen mit sich. Wenn sich die Kaffeepreise verschlechterten, war die Entwicklung der Koka-Kulturen umso wichtiger. Denn die Bauern suchten nach Möglichkeiten, das Einkommensdefizit auszugleichen.

1999 entschied sich eine Gruppe von Produzenten, nach alternativen Lösungen zu suchen, um ihren eigentlich Reichtum, den hervorragenden Kaffee, aufzuwerten. So entstand das Kaffee-Projekt ORO VERDE (auf Deutsch: grünes Gold).

Der Kaffee: eine große Chance

Die Familien kultivieren auf den hoch gelegenen Anbauflächen etwa zwei Hektar Kaffee in Mischkultur mit Obst- und Waldbäumen. In den niedrigeren Zonen werden außerdem viele Nahrungsmittel wie Bananen, Maniok, Bohnen, Gemüse und Reis angebaut und auf kleinen Höfen Tiere gezüchtet. Jedoch ist der Kaffee in der Regel die einzige finanzielle Einnahmequelle der Familien. Die Böden der Region sind fruchtbar und größtenteils bewaldet. Dank der Höhenlage und der Feuchtigkeit der Amazonasgebiete zeichnet sich der Kaffee dieser Region durch ein einzigartiges Aroma aus.

Vereinigung zweier Ethnien

Die Gemeinschaft ORO VERDE vereint 1000 Kaffee-Kleinproduzenten in der Region Lamas am Rande der peruanischen Anden. Diese Region war früher nur sehr dünn besiedelt und schwer zugänglich. Die Urbevölkerung gehörte zur ethnischen Gruppe der Chanka und lebte seit langer Zeit auf den unterschiedlichen Höhen dieser bergigen Region, sowohl im tropischen Regenwald als auch in den hohen Bergregionen. Ein großer Teil der Region war damals mit Primärwald bedeckt und nur ein geringer Teil wurde für den landwirtschaftlichen Anbau genutzt.

Die landwirtschaftliche Erschließung der Region, die bis heute andauert, führte dazu, dass viele andine Bauern in die Lamas-Region einwanderten. Daher besteht die Genossenschaft ORO VERDE heute sowohl aus Siedlern aus den Anden als auch aus Mitgliedern der ethnischen Gruppe der Chanka, die ihre kulturelle Identität bewahren konnten. Sie sprechen Quechua, produzieren und tragen traditionelle Kleidung und verwalten ihr Territorium kollektiv.

Der Kaffee von ORO VERDE ist einer der aromatischsten Kaffees aus der Großregion Nor Oriente. Er zeichnet sich durch seine Ausgewogenheit aus lieblicher Note und feiner Säure aus. In einem nationalen Wettbewerb der besten Arabica-Kaffees gewann ORO VERDE einmal Gold und einmal Silber.

Ein stabiles Einkommen

Bei ihrer Gründung 1999 war die Genossenschaft noch nicht ins Fairhandels-Netzwerk eingebunden, aber dank der hohen Qualität konnten sie ihren Kaffee relativ lukrativ absetzen. Doch mit der Jahrtausendwende setzte die Kaffeekrise ein und stürzte weltweit viele Bauern ins Unglück. Aufgrund ihrer inzwischen erlangten Bio- und Fair-Trade-Zertifizierung hat ORO VERDE es jedoch geschafft, einen im Vergleich zu anderen Exporteuren erhöhten Exportpreis für ihren Kaffee zu realisieren. 2002 verkaufte sie ihren Kaffee im Durchschnitt für 0,74 US-Dollar pro Libra (453,6 Gramm), während der Durchschnittspreis der peruanischen Kaffee-Exporteure bei 0,50 US-Dollar pro Libra lag.

2004 gelang es der Kooperative, mehr als die Hälfte ihrer Produktion fair gehandelt und in Bio-Qualität zu verkaufen. Der Rest wurde auf dem konventionellen Markt verkauft. Während der Durchschnittspreis der peruanischen Kaffee-Exporteure in diesem Jahr bei 0,69 US-Dollar pro Libra lag, erreichte ORO VERDE einen Durchschnittspreis von 1,11 Dollar pro Libra, also beinahe doppelt so viel wie der konventionelle Marktpreis.

Im Zuge einer Kampagne hat ORO VERDE 2007 tatsächlich 100 Prozent seines Kaffees auf dem Fair-Trade-Markt verkauft, davon waren 70 Prozent der Produkte sowohl fair gehandelt als auch biologisch hergestellt.

Auch unter schlechten weltwirtschaftlichen Bedingungen konnte ORO VERDE den Produzenten einen 10 bis 15 Prozent höheren Preis als die Zwischenhändler in der Region bezahlen. Der garantierte Mindestpreis des Fairen Handels bewirkt, dass eine Mindestdifferenz zum konventionellen Kaffee-Preis bleibt, auch wenn die internationalen Kaffeepreise ansteigen. Um das Vertrauen der Produzenten zu erhalten, ist es wichtig, dass die Fair-Trade-Genossenschaften einen höheren Preis als die konventionellen Zwischenhändler bezahlen können.

Neben dem höheren Preis spielt auch die Vorfinanzierung der Ernten und die permanente Ausbildung und Beratung durch Fachleute der Genossenschaft eine große Rolle. Denn davon profitieren die Produzenten erheblich.

Höchste Qualität durch den Fairen Handel


Als sich die Produzenten auf den Anbau von Kaffee spezialisierten, investierten sie in Techniken zur Verbesserung der Qualität. Heute verfügt jede Familie über eigene Technik zum Schälen, Fermentieren, Waschen und Trocknen des Kaffees.

Die Familien konnten die notwendigen Geräte kaufen, weil die Genossenschaft ein eigenes Kreditsystem eingeführt hat. Außerdem wurden neun Techniker eingestellt, die von der Genossenschaft bezahlt werden und die bei der Inbetriebnahme der Maschinen behilflich waren.

Die heute erreichte Qualität des Kaffees liegt weit über den üblichen Standards der Region.

Demokratische Genossenschaft

Angesichts des großen ökonomischen Erfolgs der Genossenschaft hat es ORO VERDE auch geschafft, seine Mitgliederzahl erheblich zu erhöhen. Aus 56 Mitgliedern im Jahr 1999 sind 165 im Jahr 2000, 500 im Jahr 2005 und mehr als 1000 Mitglieder im Jahr 2007 geworden.

Innerhalb ihrer Organisationsstruktur hat die Genossenschaft eine Abstimmungsparität eingeführt. So ist nicht länger der Mann der einzige Repräsentant der Produzentenfamilie, sondern Mann und Frau werden gleichberechtigt in den Entscheidungsprozess einbezogen.

Neben den Eltern profitieren auch die Kinder von der landwirtschaftlichen Entwicklung. Die anspruchsvolle Koka-Wirtschaft verpflichtete die Kinder zur Arbeit. Nun können sie wieder in die Schule gehen, während sich die Eltern dem Kaffee widmen. Diese Veränderung verbesserte auch die Beziehung zwischen Eltern und Kinder. Außerdem werden zehn Prozent der Entwicklungsprämie für eine Mitglieder-Krankenversicherung verwendet.

Eine ökologischere und ertragreichere Landwirtschaft


Die Schaffung eines regionalen Verbotes der Waldabholzung fördert den Schutz der Artenvielfalt ebenso wie das staatliche Projekt «Fondo Bosque». Neu angelegte Baumschulen obliegen der Pflege von Familien und Gemeinschaften. Als natürliche Schattenspender findet man dort auch die kleinblättrigen «Shimbillo»-Bäume, Mahagoni und die ursprünglichen Zederbäume, die innerhalb von 5 Jahren 4 Meter hoch werden können.

ORO VERDE hat ein eigenes Umweltzentrum zur Ausbildung und Förderung junger Führungspersönlichkeiten in den Bereichen der Produktion, des Qualitätsmanagements und des Vertriebs eingerichtet.

Mehr als die Hälfte der Lamas-Region ist immer noch mit intaktem Primärwald bedeckt. Um ihn zu erhalten, ist es notwendig, die Kaffee-Erträge zu erhöhen und somit dafür zu sorgen, dass Primärwälder nicht unnötig zu landwirtschaftlichen Anbauflächen werden. Seit zehn Jahren engagiert sich die Genossenschaft in diesem Bereich.

Die Ausbildung und Beratung der Kaffeeproduzenten hat dazu beigetragen, ein nachhaltiges Agrarsystem zu entwickeln: Durch Ersatz der alter Pflanzen durch neue Pflanzen, die in den Baumschulen aufgezogen und ausgewählt wurden, kann eine höhere Produktivität erlangt werden.

Aufforstung erhöht Fruchtbarkeit

Um beste Bedingungen für die Fruchtbarkeit des Waldes sicherzustellen, werden schattenspendende Bäume gepflanzt und gepflegt. Die Bäume ziehen Mineralstoffe aus der Tiefe und die herabfallenden Blätter bilden eine natürliche Humusschicht, die den kleineren Kulturen diese Nährstoffe wieder zurückgibt.

Diese Agroforstwirtschaft erhält die Fruchtbarkeit der Böden, die auf diese Weise nicht mehr auf chemische Düngemittel angewiesen sind. Das erfordert zwar zusätzliche Arbeit, die Erträge sind jedoch doppelt so hoch wie bei herkömmlicher Agrarwirtschaft. Im Gegensatz zu 0,5 Hektar Kaffeeanbaufläche mit ungefähr 360 kg pro Hektar Ertrag früher, bauen die Produzenten von ORO VERDE heute im Durchschnitt auf 2,8 Hektar Kaffee an und ernten mehr als 800 kg Kaffee pro Hektar.

Mit diesem neuen Anbausystem haben sie die Fruchtbarkeit der Böden sehr erfolgreich gesteigert und können nun auf das veraltete und zerstörerische System der Brandrodung verzichten.

In aller Kürze

  • Partnerschafft seit 2003
  • 56 Kleinbauern gründeten die Genossenschaft, mittlerweile hat Oro Verde über 1000 Mitglieder
  • 1-3 Hektar Land pro Familie
  • Kultivierung nach Prinzip der Agroforstwirtschaft

Vor Ort

Unser Mitarbeiter Nicolas Eberhart (Agrarwissenschaftler) hat das Projekt mitinitiiert und begleitet es vor Ort.

Produkte von Oro Verde bei ETHIQUABLE

Weltkarte

MANDUVIRA – Zucker aus Paraguay



Manduvira verändert das Leben der 25 000 Einwohner unserer Region.

Das sagt Manduvira-Vorsitzender Andrés Gonzalez bei einem Treffen während einer Reise durch Europa. Die Genossenschaft ist seit Jahrzehnten in Paraguay aktiv und genießt inzwischen breite Unterstützung in der Bevölkerung. In einem Land, in dem 40 Prozent der Bevölkerung in ländlichen Gebieten lebt – und ein Drittel unterhalb der Armutsgrenze – haben sich Kleinbauern vereinigt, um Zucker zu exportieren und sich vom Diktat der Zuckerindustrie zu befreien.

1999 erhielt die Genossenschaft das Fairtrade-Zertifikat und profitierte von der Unterstützung durch amerikanische Experten. „Wenn es nicht den Fairen Handel gäbe, dann hätte eine so kleine Genossenschaft vielleicht keinen Zugang zu so vielen Märkten auf der ganzen Welt bekommen“, betont Gonzalez. Diesem Umstand verdanken die Produzenten auch, dass Manduvira für seinen Rohrzucker in der Regel Preise erzielt, die 20 Prozent über dem Durchschnitt der lokalen Industrie liegen. In der Kooperative bleibt zudem ein Großteil der Gewinne in den Händen der arbeitenden Menschen.

Geschichte und Organisation der Kooperative


Die Genossenschaft ist in einer Region etwa 70 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Asuncion aktiv. Ungefähr 6.000 Menschen leben in der Provinzstadt Arroyos y Esteros und weitere 16.000 im Umland. Dank der traditionellen Landwirtschaft, die schon immer im Einklang mit der Natur erfolgte, wird diese Region in Paraguay auch „Organic Valley“. Doch die Grenzen zu den umliegenden Gemeinden, sind nicht die Grenzen Manduviras: Auch Kleinbauern aus den Nachbargemeinden sind Mitglied der Kooperative.

Gegründet wurde Manduvira 1975 von einer Gruppe von Lehrern, die das Ziel hatten, einen besseren Zugang zu Kleinkrediten zu schaffen und die gegenseitige Unterstützung innerhalb der Gemeinde zu fördern. Manduvira zählt heute 1500 Mitglieder wovon 800 als Kleinbauern arbeiten. Sie produzieren Rohrzucker, Sesam, Wolle, Stevia, Früchte und Gemüse.

Die sanfte Revolution

Die Produzenten betreiben biologische Landwirtschaft, sind selbstständig und können ihre Kinder mit Hilfe der Kooperative zur Schule  schicken. Auch die Gesundheitsversorgung hat sich deutlich verbessert. 2002 mietete die Kooperative eine stillgelegte Raffinerie, um 200 Tonnen Bio-Zucker weiterzuverarbeiten und zu exportieren. Doch schon bald reichten die Produktionskapazitäten nicht mehr aus. Um vorwärts zu kommen, holte die Genossenschaft Oikocredit mit ins Boot. Die niederländische Institution betreibt Entwicklungsförderung durch die Kreditvergabe an Mikrofinanzinstitutionen, Genossenschaften und kleine Unternehmen in Schwellen- und Entwicklungsländern.

Autarke Energieversorgung

Manduvira hat eine Produktionskapazität von 15.000 bis 20.000 Tonnen Bio-Rohrzucker pro Jahr. Ihr Anspruch war es, ein ökologisches Modell zu schaffen, das die Fabrik autark mit Energie versorgt. Der Rohrzucker wird durch Dampf erhitzt, ohne dass schädliche Stoffe produziert werden.
Im Februar 2013 hatte bei Manduvira bereits die nächste Innovation begonnen: Jedes Mitglied hatte sich darauf eingelassen, parallel zum Anbau von Zuckerrohr auch das Süßungsmittel Stevia anzubauen.

In Paraguay hat sich die Welt der Kooperativen vor allem im ländlichen Gebiet weiterentwickelt, da der Staat hier nahezu abwesend ist. Die Menschen vereinigen sich also, um gemeinsam Probleme zu bewältigen. Ein gerechter Preis für die eigenen Erzeugnisse und der Erhalt der Umwelt bleiben für Manduvira das wichtigste Ziel. Denn eine gesunde Umwelt, sei das wichtigste Erbe, das man an seine Kinder und Enkelkinder weitergeben könne, sagt Manduvira-Vorsitzender Andrés Gonzalez.
Die Kooperative investiert alle Gewinne in das Wohlbefinden der Menschen. Jedes Jahr im März treffen sich die Mitglieder zur Generalversammlung, um darüber zu entscheiden wie die Fair-Trade-Prämien am besten investiert werden. Traditionell werden 50 Prozent als einmalige Zahlung verteilt und die übrigen 50 Prozent in soziale und ökonomische Projekte gesteckt.

Ökonomische Sicherheit

Eines der wichtigsten Ziele der Organisation ist es, ökonomische Sicherheit für die Mitglieder herzustellen. Dabei geht es nicht nur um stabile Verkäufe der landwirtschaftlichen Produkte, sondern um eine insgesamt sichere Einkommenssituation für die Kleinbauern. Wenn ein Mitglied eine schwierige Situation wie beispielsweise den Verlust eines Familienmitglieds, eine Missernte oder Finanzierungsprobleme vor der Ernte bewältigen muss, kann es sich der Unterstützung durch Manduvira sicher sein.

In aller Kürze

  • 1750 Mitglieder, darunter 800 Produzenten (Zucker, Sesam, Baumwolle, Stevia, Früchte und Gemüse)
  • 1975 von einer Gruppe von Lehrern gegründet

Vor Ort

Unser Mitarbeiter Nicolas Eberhart (Agrarwissenschaftler) hat das Projekt mitinitiiert und begleitet es vor Ort.

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